Verden - Die tödlichen Schüsse auf einen 46-jährigen Albaner in Visselhövede waren aus Sicht der Staatsanwaltschaft ein systematisch geplanter Racheakt. Die beiden vor dem Landgericht Verden angeklagten 23 und 24 Jahre alten Männer hätten die Tat ausgiebig vorbereitet, um ihr Opfer öffentlich hinzurichten, sagte Staatsanwältin Annette Marquardt bei der Verlesung der Anklage am Donnerstag. Die beiden handelten nach ihren Worten nach einem Gewohnheitsrecht, das insbesondere in ländlichen Regionen Nordalbaniens gilt. Die jahrhundertealte Tradition sieht „Blutrache“ vor, um die Familienehre wiederherzustellen.
Den Ermittlungen zufolge hatte der auf offener Straße nahe einer Grundschule getötete Mann Jahre zuvor einen Angehörigen der beiden Männer getötet. Wegen Mordes saß er in Albanien mehrere Jahre im Gefängnis. Trotz der Strafe habe die Familie der Angeklagten damals Blutrache geschworen und drei Leben aus dem Familienkreis des Täters zur Wiederherstellung der Familienehre gefordert, so die Staatsanwältin.
