Oldenburg - Die Entscheidung über den Bau eines neuen Stadions in Oldenburg rückt näher. In der nächsten Sitzung am 15. April werden die Mitglieder des Stadtrates darüber abstimmen, ob an der Maastrichter Straße bald die Bagger anrollen. Gegner der Neubaupläne hatten im Zuge unserer jüngsten Berichterstattung über Hooligans ihre Bedenken noch einmal geäußert – unter anderem wegen einer möglichen Zunahme gewaltsuchender Fans („Kategorie C“) im Umfeld des Fußball-Regionalligisten. Die Oldenburger Faninitiative (OFI) ist allerdings überzeugt davon, dass mit einem neuen Stadion die Sicherheit rund um die Fußball-Spiele erhöht und ein vielfältigeres Publikum angesprochen werden könnte. Von den Hooligans distanzieren sie sich.
Gruppe kann einschüchtern
„In dieser Saison gab es noch keine nennenswerten Vorfälle im Stadion“, sagt Linus Horke. Er übernimmt mit Jan-Eric Reuter die ehrenamtliche Fanbetreuung beim VfB Oldenburg. In der Regionalliga gäbe es bis auf Meppen kaum Gästefans, mit denen die Oldenburger Hooligans direkte Konflikte suchen. Allerdings beobachtet Reuter: „Wenn die Hooligans als Gruppe auftreten, kann das einschüchternd wirken.“ Dazu hätten die Fanbetreuer Rückmeldungen von Zuschauern erhalten.
Bereits seit den 90ern prägen antirassistische Gruppen die Fanszene beim VfB Oldenburg. Das wurde 1998 mit der Gründung der Oldenburger Faninitiative (OFI) fortgeführt. Die Fans pflegen Kontakte zu antirassistischen Vereinen wie Göttingen 05, Altona 93, Bremer SV oder Borussia Leer. Viele verschiedene Gruppen aus und um den VfB engagieren sich gegen Rassismus und Homophobie.
Auch die NS-Vergangenheit des Vereins ist 2019 in einer Ausstellung aufgearbeitet worden. Das Engagement der Faninitiative „VfB für Alle“ gegen Rassismus wurde 2015 vom Deutschen Fußball-Bund mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet. Als einer der wenigen Fußballvereine war der VfB frühzeitig beim Christopher Street Day aktiv.
Auch wenn in Oldenburg beispielsweise der Anteil weiblicher Fans bereits hoch ist, könnte ein Neubau aus Sicht der OFI neue Zuschauergruppen für einen Stadionbesuch begeistern. „In anderen Städten kommen alle Gesellschaftsschichten ins Stadion. Insbesondere für Familien und Menschen mit Beeinträchtigung würde es nicht nur den Besuch attraktiver machen, sondern zum Teil überhaupt erst ermöglichen“, sagt Stefan Knop, Vorstandsmitglied der Fan- und Förderabteilung im VfB. Die Begründung: Das 1951 eröffnete Stadion weise in Bezug auf Komfortabilität, Barrierefreiheit und Erlebnisfaktor deutliche Defizite auf. Ein neues Stadion würde darüber hinaus kürzere Wege zum Bahnhof, neuste Sicherheitstechnik und ein durchdachteres Sicherheitskonzept ermöglichen.
Ultras sind keine Hooligans
Knop, Reuter und Horke können zwar nicht im Namen aller VfB-Fans sprechen, doch sie kennen sich in der Szene aus. „Es ist schade, dass aktuell 15 Leute das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit prägen“, bedauert Knop und nimmt damit Bezug auf die Hooligans. Diese seien klar abzugrenzen von der großen Mehrheit der Ultras und aktiven Fans, die unter anderem Fangesänge und Choreografien organisieren. „Die Oldenburger Fanszene ist antirassistisch und antidiskriminierend“, stellt Knop klar. Die Hooligans würden sich nicht in die organisierte Fanszene einbringen.
Zu der Hooligan-Gruppe gibt es eine klare räumliche Trennung. So steht diese seit Saisonbeginn nicht im Block J auf der „Matthäi-Gegengerade“, wo die lautstärksten Unterstützer der Mannschaft zu finden sind, sondern gegenüber auf der überdachten Haupttribüne. Auch sei die Hooligan-Flagge, die ein „H“ in Frakturschrift zeigt, bei den VfB-Spielen nicht mehr zu sehen gewesen. Viele Auswärtsspiele fänden komplett ohne Anwesenheit der Hooligans statt.
Zeichen gegen Rechtsextremismus
VfB-Fans sorgten erst kürzlich am Holocaust-Gedenktag bei Kilia Kiel für ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus. „Nie wieder ist jetzt“ stand auf einem Transparent, das vor dem Gäste-Block hing. Vor rund einem Jahr hatte sich mit „Succade“ eine neue Ultra-Gruppierung gebildet. „Die haben das Feld übernommen, sie haben deutlichen Zulauf von jungen Leuten“, erklärt Knop. „Wir brauchen attraktive Angebote durch die Ultras, weil das gleichzeitig eine Alternative zum Hooliganismus darstellt“, ergänzt Reuter.
