Harpstedt - Enger zusammengerückt ist die Familie Hannekum in den vergangenen fünf Tagen in ihrem Haus am Moorlandsweg in Harpstedt. Im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft zwischen den Harpstedt und Loué machten Daniela und Heiner Hannekum und ihre drei Kinder Rike (16), Jannis (12) und Lena (19) Platz für eine Familie mit ebenfalls drei Kindern. Seit Donnerstag statten die Feuerwehr und das Orchestre de la Vègre in Loué der Harpstedter Feuerwehr und ihrem Spielmannszug einen Besuch ab (die NWZ berichtete). Seitdem wohnt Feuerwehrmann Karl Normand (40) mit Ehefrau Nathalie (40) und den Sprösslingen Kevin (16), Laura (14) und Steven (12) unterm Dach der Hannekums. Und weil Tochter Lena vorübergehend in Bayern weilt, ist sogar noch etwas mehr „Luft“ als beim ersten Besuch.
„Als vor vier Jahren von der Feuerwehr eine Unterkunft für eine fünfköpfige Familie gesucht wurde, da dachten wir, eine Familie auch mit drei Kindern in fast dem gleichen Alter – das passt“, erzählt Daniela Hannekum. Der Beginn einer bilateralen Freundschaft. Vor zwei Jahren waren die Hannekums zum Gegenbesuch in Loué. „Da haben Karl und Nathalie sogar im Garten gezeltet, damit wir alle im Haus schlafen konnten“, zeigt sich Gastvater Heiner beeindruckt. Französisch hat der 48-Jährige nie gelernt: „Aber wir verstehen uns auch mit Händen und Füßen“, sagt er lachend. Seine 16-jährige Tochter Rike hat dagegen ihr Schul-Französisch so gut verbessert, dass die Gymnasiastin als Familien-Dolmetscherin fungiert. Bei den Normands spricht nur Laura etwas Deutsch, „aber sie traut sich nicht so richtig“, verrät Daniela Hannekum.
Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen sind längst ausgemacht: „In Deutschland läuft alles viel geplanter und strukturierter“, sagt Karl Normand. „Die Franzosen machen alles mit einer Seelenruhe und sehen vieles lockerer“, hat Heiner Hannekum festgestellt. Unterschiede finden sich vor allem beim Essen: „Die Deutschen essen viel schneller“, meint Karl. „Und die Franzosen kennen zum Frühstück nur Süßes, keine Wurst oder Käse“, wundert sich Gastmutter Daniela.
Fünf Tage lang viel Spaß und wenig Schlaf gehabt und viel gelacht, lautet die Bilanz beider Familien: „Wir haben abends immer noch lange zusammen gesessen, deshalb waren die Nächte kurz.“
An diesem Dienstag treten die Franzosen die Heimreise an. Aber auch über das Jahr halten beide Familie über Facebook Kontakt. „Mit Laura schreibe ich mir mindestens einmal die Woche“, erzählt Rike. Von alten Vorurteilen gegenüber Deutschen, so der 40-jährige Karl Normand, habe er sich nie beeinflussen lassen: „Ich wollte mir immer mein eigenes Urteil bilden.“
