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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Flugzeugabsturz: Vier Gräber geben Rätsel auf

04.01.2013

Bad Zwischenahn /Varel „So lange es noch möglich ist, sollte das aufgeklärt werden“, meint Boris Koletschka, der sich über einen Aktenordner mit alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen beugt. Genau 70 Jahre liegt das Unglück zurück, bei dem neun Soldaten starben, „auf dem Flugfeld der Ehre, für Führer, Volk und Vaterland“, wie den Familien der Opfer damals mitgeteilt wurde.

Und dabei war es nicht einmal ein Kampfeinsatz, sondern die Verlegung des Verbandes und damit der Flugzeuge des Typs Ju 88 aus dem französischen Dinard nach Rostrup zum damaligen Militärflugplatz.

Zwei Maschinen berührten sich im Landeanflug, stürzten ins Bad Zwischenahner Meer. Während die Männer aus einem der beiden Flugzeuge geborgen wurden, „liegt die Mannschaft der anderen immer noch auf dem Grund des Sees, verborgen in der dicken Schlammschicht“, vermutet Koletschka, der seit Jahren in diesem Fall recherchiert.

Alte Unterlagen gewälzt

Der Vareler ist Segelflieger im Luftsportverein Oldenburg/Bad Zwischenahn, der vor gut 40 Jahren einen Teil des früheren Militärgeländes übernehmen konnte. Hier hatte er von dem Absturz erfahren – der ihm keine Ruhe mehr lassen sollte. Von dem Wardenburger Luftfahrt-Historiker Werner Oeltjebruns (Verein „Flieger- Flugzeuge-Schicksale“) ließ er sich alte Unterlagen geben, auf dem Friedhof fand er die Gräber der Besatzung des Unteroffiziers Rudolf Zopf, die Namen waren auch im Militärkirchenbuch vermerkt.

Doch was den Vareler stutzig machte, war die Tatsache, dass die Besatzungsmitglieder der anderen Maschine nachweislich in ihre Heimatorte überführt wurden, während Zopfs Mannschaft angeblich in Bad Zwischenahn die letzte Ruhe fand – was laut Koletschka nicht üblich war.

Der Vareler stieß auf Augenzeugenberichte. Spaziergänger hatten an jenem 21. Juli 1942, einem Sonntag, ein „seltsames Geräusch“ vernommen und kurz darauf die beiden Maschinen abstürzen sehen. Aus der einen Maschinen konnte die Besatzung tot geborgen werden, was aus dem anderen Flugzeug geworden ist, das im Schlamm steckte, ist laut Koletschkas Ermittlungen nach wie vor ungeklärt“.

Auch in Johann Reinikes „Chronik des Flugplatzes Zwischenahn“ finden sich laut Koletschka keine gesicherten Erkenntnisse über den Verbleib der Mannschaft. Die vier Flieger der vor der Badeanstalt liegenden Maschine seien geborgen und auf dem Neuen Friedhof in Bad Zwischenahn beigesetzt worden.

Die Bergungsversuche der vor dem Flugplatz versunkenen Maschine hätten sich, so heißt es in dem Buch weiter, über vier Wochen hingezogen, es sei nicht gelungen, das Wrack aus dem meterdicken Schlamm zu heben.

Besatzung geborgen?

Später habe sich herausgestellt, dass die versunkene Maschine nicht zum Zwischenahner Kampfgeschwader 6 gehört habe, „damit sind Abweichungen zur offiziellen Verlustliste des Geschwaders erklärbar.“ Schließlich seien die Arbeiten auf die Zeit nach dem Krieg verschoben worden. Koletschka hält es für durchaus möglich, dass aus dieser Maschine die Besatzung nicht habe geborgen werden können.

Der Vareler hofft nun auf weitere Berichte von Augenzeugen oder deren Nachfahren, denen von dem Vorfall erzählt wurde und die sich nun unter seiner E-Mail-Adresse koletschka@yahoo.de oder telefonisch unter 04451/9 18 44 25 melden.

Die Bergung der Maschine und damit auch der sterblichen Überreste der Besatzung dürfte allerdings technisch und finanziell nur schwer möglich sein.

Würdige Ruhestätte

Um an die versunkene Maschine zu gelangen, müsste eine Spundwand rund um die Absturzstelle gezogen und diese freigespült werden. „Aber eigentlich“, so der Vareler, „müsste die Besatzung eine würdige Ruhestätte finden.“

Um mehr Gewissheit zu bekommen, hat Boris Koletschka beim Landkreis Ammerland den Antrag auf eine Sondierung des Areals gestellt – und gleichzeitig Kontakt zu einer Spezialfirma aufgenommen, die das Wrack auch in der Schlammschicht orten und darstellen kann.

Zur Finanzierung dieses Unternehmens hofft der Vareler auf Spenden an den Verein „Flieger – Flugzeuge – Schicksale“.

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