Westerstede - Erinnerungen an einen Luftangriff vor 70 Jahren auf die Westersteder Post werden an diesem 3. Februar wach. Damals hatten amerikanische Flieger den Ort überflogen und warfen, als sie von deutschen Jagdbombern angegriffen wurden, Brandbomben ab. Etwa 200 davon fielen in den Ort und die nähere Umgebung. Das Postgebäude wurde getroffen, und der Dachstuhl brannte aus: So heißt es in der Chronik von Dr. Hermann Ries. Allerdings hatte er den 3. Februar 1943 genannt, im Stadtarchiv wurde dieses Datum auf 1944 korrigiert. Einig sind sich die Geschichtsforscher jedoch beim Hergang.
Daran können sich sogar noch Zeitzeugen erinnern. „Ich war etwa elf Jahre alt und habe das alles verfolgt, weil mein Vater in der Feuerwehr war“, erinnert sich Jan Oltmanns. Sein Vater Willi, ein Witwer, habe eine Feuerwehrgruppe, die aus Frauen bestand, geführt – die anderen Männer waren alle eingezogen.
Die Feuerwehr meisterte ihre Aufgabe mit Bravour. Wie die Chronik bestätigt, war der Brand gelöscht, bevor er weiter um sich greifen konnte. Bereits am Nachmittag konnte der Postbetrieb wieder aufgenommen werden. Der ausgebrannte Dachstuhl war jedoch nicht mehr zu retten, das Gebäude trug künftig ein Flachdach. Die Reste seien im Bombentrichter an der Mozartstraße entsorgt worden, erinnert sich Jan Oltmanns.
Vor Augen hat auch Dietrich Sander noch dieses Ereignis von vor 70 Jahren, als er etwa elf Jahr alt war. Als die Sirenen heulten, sei er von der Oberschule nach Hause gerannt und habe sich mit der Familie im Sandbunker mitten im Garten verborgen. „Als das Flugzeuggeräusch vorbei war, bin ich raus. Die Post war getroffen, es brannte und stank“, weiß er noch genau. „Dort war auch das Fernmeldeamt untergebracht. Die Frauen durften ihren Platz nicht verlassen, die telefonischen Verbindungen durften ja nicht abreißen“, erinnert er sich an den Arbeitsalltag.
Beim Luftangriff am 3. Februar wurden noch weitere Gebäude beschädigt. Zwei Bomben fielen beispielsweise in das Gemeindehaus, die eine traf die Wohnung, die andere das Stallgebäude.
Welche Wucht die Explosion einer Sprengbombe haben konnte, wurde im Bereich der Langen Straße deutlich. Ein dicker Feldstein wurde über die Achternstraße hinweg fortgeschleudert und durchschlug das Dach eines Wohnhauses an der Kuhlenstraße.
Wie die Ries-Chronik weiter zu berichten weiß, wurden große Sandmengen durch die Luft katapultiert und landeten auf dem Dach des „Ammerländer“-Druckereigebäudes an der Langen Straße. Hier rissen sie ein mächtiges Loch in das Dach, das mit etwa 150 Ziegeln neu gedeckt werden musste.
