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Historie Waffen schweigen, aber Kampf geht weiter

Ganderkesee - Als Inferno ist der Tag im kollektiven Gedächtnis der Ganderkeseer fest verankert geblieben: der 21. April 1945, als anrückende schottische und kanadische Verbände im Ortszentrum auf deutsche Soldaten trafen und daraufhin das Dorf mit Flammenwerferpanzern in Brand setzten. Allein im Bereich der Gemeinde Ganderkesee fielen 53 deutsche Soldaten. „Viele Ganderkeseer starben durch den Granatbeschuss“, weiß Heimatforscher Hermann Speckmann. „Der Tag des Kriegsendes, der 8. Mai 1945, war seinerzeit vielen Menschen gar nicht bekannt.“

Unter dem Titel „Das Kriegsende in Ganderkesee“ hat der 75-jährige ehemalige Diplom-Pädagoge bereits vor zehn Jahren zwei Bände mit Zeitzeugenberichten veröffentlicht. Auch der von Speckmann herausgegebene „Ganderkeseer Kalender“ mit historischen Motiven zeugt von den Ereignissen jener Zeit. So zeigt das Kalenderbild April 2009 die brennende St. Cyprian- und Corneliuskirche am Abend des 21. April 1945. Ein anderes Foto zeugt vom Wiederaufbau in der Ruine des einstigen Gasthofes „Zum Deutschen Hause“.

Von einem „Tag der Befreiung“, wie Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede 1985 den 8. Mai bezeichnet hat, sei damals überhaupt nicht die Rede gewesen. „Es war die Kapitulation, die von vielen Menschen als ganz schlimm empfunden wurde“, sagt Speckmann unter Hinweis auf die zahlreichen Zeitzeugenberichte.

Nach dem Ende der Kämpfe begann die Rache der Sieger – Rache für millionenfaches Leid, das von Deutschen und ihren Helfern angerichtet worden war. Die Überlebenden mussten für Hitlers Krieg bezahlen: Vergewaltigungen, Plünderungen und Morde waren an der Tagesordnung.

Viele zivile Opfer

„Die Russen und die Polen sind zur Plage geworden. Ganze Banden hausen in den Wäldern“, schrieb Hinrich Behrmann (1897-1963) in seinem „Tagebuch über das Kriegsende“. Die Zwangsarbeiter, die zur Zeit des NS-Regimes auf dem Flugplatz Adelheide untergebracht waren, hätten die Bevölkerung regelrecht terrorisiert, klärt Speckmann auf. Vor allem nachts seien sie zu Beutezügen aufgebrochen. Ganderkeseer installierten ein Sirenensystem, um sich gegenseitig zu warnen. Gendarm Hermann Baars war zwar wieder in sein Amt eingesetzt worden, blieb aber unbewaffnet.

Auch die kanadischen Soldaten plünderten und raubten Wertsachen und Nahrungsmittel. „Meinem Vater wurde die Uhr vom Arm gerissen“, erzählt Speckmann. Mehrere Frauen wurden vergewaltigt. Speckmann schätzt die Zahl der zivilen Opfer in jener Zeit auf rund 30: „Mindestens 20 Menschen wurden durch Landminen getötet. Andere von Fremdarbeitern.“

Gefallene seien wieder ausgegraben und auf dem Ganderkeseer Friedhof bestattet worden. „Ich erinnere mich an ein Pferde-Fuhrwerk mit zahlreichen Särgen“, so Speckmann, der damals acht Jahre alt war.

Gang zum Hellseher

Gleichzeitig sei die Versorgungslage immer schwieriger geworden. Tiere wurden von den Besatzern auf dem Feld erschossen. „Zum Hamstern kamen viele Züge aus den Städten.“ Parallel dazu kamen in langen Zügen die ersten Flüchtlinge, die untergebracht werden mussten. Andere warteten, dass ihre Söhne, Ehemänner oder Väter aus dem Krieg zurückkamen. Speckmann: „Einige Ganderkeseer gingen sogar zum Hellseher, um zu erfahren, ob ihre Angehörigen noch leben.“

Ganderkesee - Als Inferno ist der Tag im kollektiven Gedächtnis der Ganderkeseer fest verankert geblieben: der 21. April 1945, als anrückende schottische und kanadische Verbände im Ortszentrum auf deutsche Soldaten trafen und daraufhin das Dorf mit Flammenwerferpanzern in Brand setzten. Allein im Bereich der Gemeinde Ganderkesee fielen 53 deutsche Soldaten. „Viele Ganderkeseer starben durch den Granatbeschuss“, weiß Heimatforscher Hermann Speckmann. „Der Tag des Kriegsendes, der 8. Mai 1945, war seinerzeit vielen Menschen gar nicht bekannt.“

Unter dem Titel „Das Kriegsende in Ganderkesee“ hat der 75-jährige ehemalige Diplom-Pädagoge bereits vor zehn Jahren zwei Bände mit Zeitzeugenberichten veröffentlicht. Auch der von Speckmann herausgegebene „Ganderkeseer Kalender“ mit historischen Motiven zeugt von den Ereignissen jener Zeit. So zeigt das Kalenderbild April 2009 die brennende St. Cyprian- und Corneliuskirche am Abend des 21. April 1945. Ein anderes Foto zeugt vom Wiederaufbau in der Ruine des einstigen Gasthofes „Zum Deutschen Hause“.

Von einem „Tag der Befreiung“, wie Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede 1985 den 8. Mai bezeichnet hat, sei damals überhaupt nicht die Rede gewesen. „Es war die Kapitulation, die von vielen Menschen als ganz schlimm empfunden wurde“, sagt Speckmann unter Hinweis auf die zahlreichen Zeitzeugenberichte.

Nach dem Ende der Kämpfe begann die Rache der Sieger – Rache für millionenfaches Leid, das von Deutschen und ihren Helfern angerichtet worden war. Die Überlebenden mussten für Hitlers Krieg bezahlen: Vergewaltigungen, Plünderungen und Morde waren an der Tagesordnung.

Viele zivile Opfer

„Die Russen und die Polen sind zur Plage geworden. Ganze Banden hausen in den Wäldern“, schrieb Hinrich Behrmann (1897-1963) in seinem „Tagebuch über das Kriegsende“. Die Zwangsarbeiter, die zur Zeit des NS-Regimes auf dem Flugplatz Adelheide untergebracht waren, hätten die Bevölkerung regelrecht terrorisiert, klärt Speckmann auf. Vor allem nachts seien sie zu Beutezügen aufgebrochen. Ganderkeseer installierten ein Sirenensystem, um sich gegenseitig zu warnen. Gendarm Hermann Baars war zwar wieder in sein Amt eingesetzt worden, blieb aber unbewaffnet.

Auch die kanadischen Soldaten plünderten und raubten Wertsachen und Nahrungsmittel. „Meinem Vater wurde die Uhr vom Arm gerissen“, erzählt Speckmann. Mehrere Frauen wurden vergewaltigt. Speckmann schätzt die Zahl der zivilen Opfer in jener Zeit auf rund 30: „Mindestens 20 Menschen wurden durch Landminen getötet. Andere von Fremdarbeitern.“

Gefallene seien wieder ausgegraben und auf dem Ganderkeseer Friedhof bestattet worden. „Ich erinnere mich an ein Pferde-Fuhrwerk mit zahlreichen Särgen“, so Speckmann, der damals acht Jahre alt war.

Gang zum Hellseher

Gleichzeitig sei die Versorgungslage immer schwieriger geworden. Tiere wurden von den Besatzern auf dem Feld erschossen. „Zum Hamstern kamen viele Züge aus den Städten.“ Parallel dazu kamen in langen Zügen die ersten Flüchtlinge, die untergebracht werden mussten. Andere warteten, dass ihre Söhne, Ehemänner oder Väter aus dem Krieg zurückkamen. Speckmann: „Einige Ganderkeseer gingen sogar zum Hellseher, um zu erfahren, ob ihre Angehörigen noch leben.“

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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