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Bluttat: Warum Kinder Mütter töten

20.05.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-05-20T05:11:42Z

Bluttat:
Warum Kinder Mütter töten

Varel/Bremen In Varel hat es die Polizei eher selten mit Kapitaldelikten zu tun. Doch in der Nacht zum Montag fanden Polizisten im Ortsteil Büppel eine 39 Jahre alte Frau tot in ihrer Wohnung, umgebracht mit mehreren Messerstichen. Unter Mordverdacht geriet die 14-jährige Tochter, für sie wurde zusammen mit einem 15-jährigen Jungen Untersuchungshaft angeordnet. Dass Kinder ihre Eltern umbringen, das ist nach Einschätzung von Experten ein seltenes Verbrechen.

Was können Motive für den Mord an der eigenen Mutter sein? „Manchmal geht es um gestörte romantische Liebe, manchmal um Geld“, sagt Axel Petermann. Er hat als Profiler bei der Bremer Kriminalpolizei mehr als 1000 Tötungsdelikte untersucht.

Aus Erfahrung weiß er: Verbotene Liebe und Geldnot sind nur zwei von vielen Gründen für sogenannte Parentizide, so das kriminologische Fachwort für den Elternmord. Ein weiteres Charakteristikum: Häufig handelt es sich um Täter, die in einer Art „Symbiose“ mit den Eltern leben, sagt Petermann. „Oft sind es schwache Persönlichkeiten, die dem Druck nicht mehr standhalten, sich den Eltern gegenüber immer zurückzunehmen.“ Einheitliche Muster gebe es fast nie.

Wie oft eine Eltern-Kind-Beziehung derartig eskaliert, zählt keine Statistik. Kriminologen sind sich aber einig: „Muttermord ist ein sehr seltenes Phänomen“, sagt Petermann. Auch Thomas Bliesener hält Muttermorde für sehr selten. Ohnehin kämen Mord und Totschlag in Deutschland kaum vor, sagt der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover.

Im vergangenen Jahr hätten bei Tötungsdelikten nur zehn Kinder bis 14 Jahre unter Tatverdacht gestanden. „Dass Jugendliche dann auch noch ihre Eltern umbringen, passiert fast nie“, sagt Bliesener.

Meistens stellen Fälle von Muttermord die Ermittler vor viele Rätsel. Auch im Fall der toten 39-Jährigen in Varel ist vieles unklar. Die Tochter und ihr 15-jähriger Freund sitzen in Untersuchungshaft, nachdem die mutmaßliche Tatwaffe, ein Messer, in der Wohnung des Jungen gefunden wurde. Laut Staatsanwaltschaft wurde dem Jungen Blut abgenommen, um zu prüfen, ob er zur Tatzeit womöglich unter Drogeneinfluss stand.

Angaben über Motive der beiden Jugendlichen machen weder Staatsanwaltschaft noch Polizei.