Cloppenburg - Leider nimmt die Gewalt gegen Mitarbeiter aus dem Rettungsdienst bei Einsätzen immer weiter zu. Eine Studie der Universität Bochum machte schon 2012 deutlich, dass die verbale Gewalt mit 97,5 Prozent den höchsten Anteil hat. Doch mit 59,2 Prozent hat auch die körperliche Gewalt einen gewichtigen Anteil bei den Übergriffen.
Vor diesem Hintergrund haben 16 Mitarbeiter aus dem Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Landkreis Cloppenburg, und aus den Notaufnahmen heimischer Krankenhäuser an einem Selbstverteidigungsseminar in der Sporthalle im Cloppenburger Stadtteil Galgenmoor teilgenommen.
Die Organisation der Veranstaltung lag in den Händen von Karsten Boll. Als Ausbilder fungierte Oberkommissar Bernd Pauly (Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta). Er ging auf selbst erlebte Situationen ein. Im Vordergrund stand die Vermittlung sanfter Abwehrtechniken. Sie sollen auch in brenzligen Situationen den Eigenschutz von Angegriffenen gewährleisten. Pauly hat eine Trainer- und Prüferlizenz im Ju Jutsu und ist darüber hinaus Träger des schwarzen Gürtels in dieser Kampfsportart. Mit viel Eifer und Einsatzwillen übten die Teilnehmer die demonstrierten Griffe.
„Ich mußte mich in der Vergangenheit in der Notaufnahme schon gegen Angreifer zu Wehr setzten“, sagte eine Krankenschwester. „Ich hatte ’mal Probleme mit einen Patienten, der im Verlauf einer Krankenfahrt Ausfallerscheinungen höchsten Grades zeigte“, fügte sie ergänzend hinzu. Diese und andere Erfahrungsberichte zeigten, dass es auch in der heimischen Region zu Übergriffen gekommen ist.
Mittlerweile zeigen auch andere gemeinnützige Organisationen Interesse an einer realistischen Form der Selbstverteidigung. Der Schwerpunkt der Teilnehmer liegt nach Angaben der Verantwortlichen bei Angehörigen verschiedener Rettungsdienste.
Die Notwendigkeit des Beherrschens von Abwehrtechniken hat sich erst am Sonnabend, 11. Februar, in der Notaufnahme des Cloppenburger St. Josefs-Hospitals gezeigt. Kurz vor 23 Uhr erreichte die Polizei ein Hilferuf. Ein volltrunkener Patient wollte sich nicht behandeln lassen. Mehrere Beamte griffen unterstützend ein. Auf eine Anzeige konnte dem Vernehmen nach verzichtet werden.
