WESTERSTEDE - WESTERSTEDE - Wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung haben Polizei und Staatsanwaltschaft gegen einen im Westersteder Jugendzentrum verantwortlich tätigen Sozialpädagogen ermittelt. Der 49-jährige Mann wurde inzwischen vom Dienst freigestellt. Das bestätigte am Mittwoch auf Anfrage Erster Stadtrat Helmut Dierks.

Nach den Angaben eines 16-Jährigen, der zur Tatzeit über zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben soll, sei er am Ende einer Discoveranstaltung im Jugendzentrum von einem anderen 16-Jährigen geschlagen und getreten worden. Dabei habe er eine doppelte Unterschenkelfraktur erlitten. Noch am Boden liegend habe er laut um Hilfe gerufen. Jedoch habe der Jugendpfleger sich trotz der Schwere der Verletzung nicht um ihn gekümmert. Mehrere Tage musste der Schüler in der Ammerland-Klinik bleiben.

Unterdessen vernahm die Polizei eine Reihe von Zeugen. Dabei ergab sich der Sachverhalt anders als bis dahin geschildert. Die Zeugen sagten übereinstimmend aus, der verletzte 16-Jährige sei von Freunden längst wieder „aufgerichtet“ worden. Der Jugendpfleger habe von einer ungewöhnlichen Lage in dieser Nacht gar nichts bemerken können. Auch sei er nicht um Hilfe gebeten worden. Sollte die Staatsanwaltschaft diesen Zeugenaussagen Glauben schenken, dürfte sich der Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung strafrechtlich vermutlich nicht mehr aufrecht erhalten lassen.

Trotz alledem: Die Stadt Westerstede sieht akuten Handlungsbedarf für das Jugendzentrum, wo bisher legal Bier ausgeschenkt werden durfte. Damit ist ab sofort Schluss. Angetrunkenen ist der Zugang untersagt.