Wildeshausen - Diese „fürchterlichen sieben Minuten“ wird Norbert Renkel wohl den Rest seines Lebens nicht mehr vergessen. Es war heute vor zwei Wochen, als Sturmtief „Xavier“ durch Wildeshausen raste und Schneisen der Verwüstung hinterließ – eine davon auf dem Katenbäker Berg.
„Ich stand zuhause am Fenster und sah völlig versteinert zu, wie eine alte Eiche nach der anderen einfach so umkippte“, berichtet der Wildeshauser, dem das Entsetzen immer noch deutlich anzumerken ist. Er selbst hatte noch Glück im Unglück, denn auf das Wohnhaus fiel „nur“ eine Birke.
Als Renkel seine fassungslose Lebensgefährtin Elgin Garde bei der Arbeit in Bremen anrief, um ihr von dem Desaster zu berichten, konnte er kaum sprechen. Eine Kollegin brachte Elgin, die Tochter des verstorbenen Wildeshauser Künstlers Henry Garde, mit dem Auto nach Hause, denn die Nordwest-Bahn fuhr bei dem Sturm längst nicht mehr. „Auch sie war am Ende, schließlich standen die Eichen hier teils schon seit 150 Jahren“, berichtet Renkel.
Nachbarin Karin Jonuscheit steckt der Schreck über das Orkantief ebenfalls noch in den Gliedern. Genau wie Renkel stand sie am Fenster, als die mächtigen Eichen ringsum wie Dominosteine umkippten. Die Bäume fielen auf Wohnmobil und Kleinwagen, Carport und Einfahrt. „Im Badezimmer flogen die Fugen aus den Wandkachelen“, berichtet die Wildeshauserin, die mit ihren Kindern schnell von oben ins Erdgeschoss eilte. Zum Glück sei an diesem Donnerstag keine Schule gewesen, denn um diese Zeit seien sonst etliche Kinder und Jugendliche mit dem Rad auf dem Rückweg.
Die schlimmsten Sturmschäden sind inzwischen beseitigt. Die Straße ist wieder passierbar, die Birke mit einem großen Kran vom Garde-Haus gezogen und das Dach notdürftig repariert. Seit zehn Tagen ist ein Gartenbauunternehmen damit beschäftigt, die rund 20 Bäume, die umgestürzt oder beschädigt sind, zu zersägen und entsorgen. Ein Ende ist derzeit noch nicht absehbar. „Das ist Brennholz für 20 Jahre und mehr“, sagt Renkel ohne Freude in der Stimme. Von diesem Sturm werde man ähnlich dem von 1972 noch lange reden.
Das sieht auch Jörg Kramer, Leiter des städtischen Bauhofs, so. „Die Schäden sind in der Tat erheblich und werden uns noch Wochen beschäftigen“, konstatiert er. Die unmittelbaren Gefahrenstellen seien inzwischen beseitigt, und die übrigen Schäden auf öffentlichem Gebiet würden jetzt nach und nach abgearbeitet. Dazu benötige man jedoch zusätzliches Personal und Gerätschaften von Fachfirmen, die momentan Hochkonjunktur hätten.
Deshalb blieben auch einige Wege, wie zum Beispiel an der Kuhtrade, wo umgestürzte Bäume in großer Höhe im Geäst hängengeblieben sind, vorerst gesperrt. Und auch die beiden Bäume, die in den Burgbergteich gestürzt sind, werden dort noch ein bisschen länger zu bewundern sein, denn der feuchte Boden erschwert die Aufräumarbeiten zusätzlich. „Wir wollen schließlich keinen Acker aus der Burgwiese machen“, so der Bauhofleiter.
