WILDESHAUSEN - Sein Chef lobt ihn in höchsten Tönen: „Nils hat sich in kurzer Zeit eingearbeitet. Er zeigt ein hohes Maß an Empathie“, sagt Marcel Luzar, Leiter des Bereichs Soziale Betreuung. Und auch der 19-Jährige zeigt sich zufrieden: „Es macht richtig Spaß.“ Nils Brand ist der erste junge Mann, der auf Basis des neuen Bundesfreiwilligendienstes (BFD) im Kreisaltenheim arbeitet.
Der Wildeshauser hat im Sommer sein Abitur am Fachgymnasium Wirtschaft gemacht. „Ich wollte gern in den sozialen Bereich reinschnuppern“, erzählt er. Da das Kreisaltenheim in der Nähe des Elternhauses liege und zuletzt immer Zivildienstleistende aufgenommen hatte, brachte er seine Bewerbung auf den Weg. Es klappte sofort. „Gern hätten wir einen zweiten Freiwilligen aufgenommen“, so Susanne Beckmann, die Leiterin der Einrichtung. Sie wundert sich, dass der Bundesfreiwilligendienst nicht auf größeres Interesse stößt.
Für Nils Brand beginnt der Arbeitstag in der Regel im 8.30 Uhr. Er blickt in sein Fach, ob Arbeitsaufträge – etwa in Form von Fahrdiensten – vorliegen. Ansonsten berät er sich mit Physiotherapeut Luzar über die anstehende Arbeit im Bereich Soziale Betreuung. Brand hilft mit beim so genannten Morgenkreis, macht gemeinsam mit den Bewohnern Musik oder begleitet sie auf ihren Wegen durchs Haus. Regelmäßig fragt er nach Unterstützungsbedarf. Der kann auch schon einmal im Anreichen der Mittagsmahlzeit bestehen. „Wir haben offen über seine Neigungen und Wünsche gesprochen“, sagt sein Vorgesetzter. Für Tätigkeiten im Bereich der Körperhygiene sei das Fachpersonal zuständig.
Aber gerade im sozialen Bereich erfülle Nils mit Freude seine Aufgaben. Bei vielen Bewohnern sei er sehr beliebt. „Frau W. schenkt mir gelegentlich ein Bonbon“, verrät der „BuFDi“. Erstes Ziel sei es, dem Gegenüber Geborgenheit und Wertschätzung entgegenzubringen. Lazar: „Nils hat ein feines Gespür dafür entwickelt, nicht über die Grenze hinaus zu gehen.“ Manchmal reiche es aus, einfach einen Bewohner in den Arm zu nehmen und zu trösten. Es gebe aber auch „doofe Tage“, räumt der 19-Jährige ein. So habe eine Frau kürzlich die Begleitung zum Arzt verweigert. Viel Geduld sei gelegentlich für das Anreichen von Essen nötig.
Für seine freiwillige Tätigkeit im Kreisaltenheim, die offiziell im August 2012 zu Ende sein wird, hat Brand noch viele Ideen. So würde er gern ein Projekt starten – beispielsweise Schlagzeug oder Trommeln. Nicht selten sprechen ihn Freunde auf die Tätigkeit an. Seine berufliche Zukunft hatte Nils Brand noch vor einigen Monaten im Bereich Informatik gesehen. Derzeit orientiere er sich neu: „Ich kann mir vorstellen, später auch einmal im sozialen Bereich tätig zu sein“, sagt er.
