Wildeshausen/Varel - „Rate mal, wer hier spricht?“ – so oder so ähnlich beginnen sie oft, die Anrufe der sogenannten Enkeltrick-Betrüger. Um an Geld zu kommen, geben sie sich am Telefon als Verwandte in einer Notsituation aus. Oder noch perfider: als Polizist. So wurde ein 82-jährige Mann in Varel (Kreis Friesland) in der vergangenen Woche von einem falschen Polizisten um 20 000 Euro geprellt. Der Senior hatte einen Anruf erhalten, bei dem ein angeblicher Kriminalbeamter erklärte, dass Verbrecher es auf sein Geld abgesehen hätten. Aus diesem Grund sollte er von seinem Konto 20 000 Euro abheben und diesen Betrag an die Polizei zur Überprüfung übergeben. Er bekam das Geld von seiner Bank und übergab es anschließend dem falschen Polizisten.
Da stellt sich die Frage, ob die Bankangestellten die Auszahlung des hohen Bargeldbetrages an den Senior hätten verweigern können. Die NWZ fragte nach bei den Kreditinstituten in Wildeshausen, wie sie damit umgehen, wenn ältere Menschen plötzlich vier- oder fünfstellige Beiträge abheben wollen.
„Wir werden auf jeden Fall stutzig“, sagt Anja Marowsky, Sprecherin der Volksbank Wildeshauser Geest eG. Das Personal der Bank sei entsprechend geschult. Wenn „Oma Müller“ anstelle der sonst üblichen 200 Euro die 20 000 Euro erbitte, werde schon einmal höflich nachgefragt, welche Investition sie denn tätigen wolle. Es sei schon häufiger vorgekommen, dass ältere Kunden Anrufe angeblicher Polizisten oder Enkel erhalten hätten. In diesem Fall hätten sich die Betroffenen meist direkt an die Polizei gewandt.
Auch die Mitarbeiter der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) seien geschult, bei hohen Bargeldabhebungen sensibel nachzufragen, berichtet der Wildeshauser Filialleiter Nicolas Tabke. „Der persönliche Kontakt lohnt sich.“ Die meisten Mitarbeiter hätten eine gute Kundenkenntnis. Die Frage, ob sie eine hohe Summe von 20 000 Euro wirklich in bar abheben oder nicht doch lieber überweisen wollten, werde regelmäßig gestellt. Denn auch falsche Handwerker würden gelegentlich versuchen, an Geld zu kommen. Die Bank lege zudem Merkblätter für die Kunden bereit, um gegen „Enkeltricks“ gewappnet zu sein.
„Ohne EC-Karte läuft gar nichts“, weist Ralf Müller, Leiter der Oldenburgischen Landesbank (OLB) in Wildeshausen, darauf hin, dass über den Schalter keine x-beliebig hohe Bargeldsummen ausgezahlt werden. Die Kreditinstitute hätten heute die Auszahlung von Bargeld deutlich stärker im Blick als noch vor Jahren, berichtet Müller über die entsprechenden Schulungen.
Tipps zu richtigen Verhaltensweisen bei Enkeltrickversuchen geben alle Polizeidienststellen. Merle Behle, Sprecherin der Polizeiinspektion in Delmenhorst, rät, bei Verdachtsfällen die Polizei zu informieren (siehe Info-Box).

