Ganderkesee/Landkreis - Warnschilder, blaue Reflektoren an Leitpfosten oder Dreibeine am Straßenrand – es gibt unterschiedliche Ansätze, das Unfallrisiko mit Wild zu minimieren. Trotz all dieser Maßnahmen hat es im vergangenen Jahr 798 Wildunfälle (mehr als 30 Prozent aller Verkehrsunfälle) im Landkreis Oldenburg gegeben – 93 davon im Gemeindegebiet Ganderkesee (2012: 99 von 833).

Hegeringleiter Jan-Bernd Meyerholz will den Autofahrern keinen Vorwurf machen. „Auch bei niedriger Geschwindigkeit können sie nicht mehr rechtzeitig bremsen, wenn plötzlich ein Reh auf die Straße springt“, sagt er. „Einzig der Schaden ist dann vielleicht nicht so groß, und das Tier hat eine Chance, den Unfall zu überleben.“

Im Jahr 2011 hat der Hegering Ganderkesee 1000 blaue Reflektoren an Leitpfosten angebracht. Das Wild wird bei einem vorbeifahrenden Auto von dem Reflektor geblendet und soll davon abgehalten werden, die Straße zu queren. Zudem wurden 40 Dreibeine an Wildunfallschwerpunkten aufgestellt. Eine signifikante Verbesserung hat es seitdem jedoch noch nicht gegeben.

Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Straßenmeistereien, der Straßenverkehrsbehörde, der Verkehrswacht, der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der Jägerschaft und der Polizei aus Wildeshausen und Delmenhorst wird sich nun mit dem Problem befassen.

„Von den 515 Unfällen in der Gemeinde Ganderkesee in 2013 waren 93 mit Wildbeteiligung. Dieser Anteil ist im Vergleich mit anderen Gemeinden aus dem Landkreis Oldenburg eher gering“, teilt Hauptkommissar Bernhard Stegemann vom zuständigen Sachgebiet Verkehr der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch mit. Die Warnschilder sollten ernst genommen werden. Es gilt: Fuß vom Gas, langsam und konzentriert fahren. Wald- und Straßenränder sorgfältig im Auge behalten und bremsbereit sein. Experten raten, im Zweifel eher einen abgebremsten Zusammenstoß mit dem Wild in Kauf zu nehmen, als hektisch zu reagieren. Auch die Autoversicherung zahlt nicht für Schäden, die bei besonnenem Verhalten vermeidbar gewesen wären. „Bei 60 km/h erreicht das Reh ein Aufprallgewicht von 0,8 Tonnen. Ich sage immer: wenn das Reh zur Kuh wird“, so Stegemann.

Meyerholz gibt noch einen Tipp: „Wenn ein Reh die Straße quert, ist es wahrscheinlich, dass mindestens ein weiteres folgt. Darauf kann man nicht oft genug hinweisen.“