WILHELMSHAVEN/HANNOVER - In der Nordsee vor der deutschen Küste lagern
nach Berechnungen des Koblenzer Umweltgutachters Stefan Nehring bis
zu 1,5 Millionen Tonnen versenkte Munition. Der Großteil stammt aus
Weltkriegs-Beständen. Für seine Auswertungen hat der Meeresbiologe
historische Quellen gesichtet - etwa Behördendokumente oder
Aufzeichnungen der Polizei.
Entsorgungsgebiete für die Kampfmittel gegeben - zum Beispiel in der
Außenems nahe Borkum, vor Wangerooge oder in der Jade. Etwa 75
Prozent der Munition ist nach Angaben des Biologen in der Nähe der
ostfriesischen Küste ins Meer gekippt worden.
Angaben zufolge allein in den vergangenen drei Jahren gut zwölf
Tonnen Munition an der niedersächsischen Küstenlinie bergen müssen.
Die Insel Wangerooge und das Watt vor Sahlenburg bei Cuxhaven sind
nach diesen Angaben Schwerpunkte. Am Jade-Weser-Port bei Wilhelmshaven
hat inzwischen ein privater Anbieter die Entsorgung der explosiven
Funde übernommen.
versenkter Munition. Demnach hat es seit 1945 mindestens 115 Tote und
35 Verletzte gegeben. Zuletzt starb ein Fischer 1985 vor Helgoland.
2004 verletzten sich zwei Strandbesucher auf Wangerooge und an der
Jade bei Tossens mit Phosphor, das in Brandbomben zum Einsatz kam.
Die Phosphor-Stoffe sehen Bernstein äußerst ähnlich und können sich
nach dem Aufsammeln in der Hand oder in der Hosentasche entzünden.
