• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Verbrechen: „Wir haben Christina nie vergessen“

18.09.2013

Osnabrück Die Erleichterung ist an diesem Vormittag bei der Osnabrücker Polizei spürbar. Mehr als 25 Jahre lang haben sich die Ermittler mit dem grausamen Mord an einer Grundschülerin beschäftigt. Die neunjährige Christina war auf dem Weg zur Schule, als sie am 27. November 1987 offenbar einem jungen Mann in die Hände fiel, der versuchte, sie zu vergewaltigen. Um die Tat zu vertuschen, brachte er sie um. „Kaum eine Tat hat diese Region so bewegt wie diese“, sagt Oberstaatsanwalt Hubert Feldkamp am Dienstag. „Wir haben Christina nie vergessen“, hieß es aus dem Kreis der Ermittler. Erst jetzt ist es gelungen, dank modernster DNA-Analytik den entscheidenden Hinweis auf den Täter zu finden.

In allen Polizeibehörden Deutschlands holen Ermittler und Staatsanwälte immer wieder Akten und alte Asservate zu Morden hervor, um mit modernen kriminaltechnischen Methoden die Fälle doch noch aufzuklären. Mittlerweile sei die Analysetechnik so weit, dass sich auch kleinste Partikel auf genetische Spuren des Täters untersuchen ließen, erläutert der Osnabrücker Polizeisprecher Georg Linke. Im Fall von Christina ist ein Kleidungsstück nochmals unter die Lupe genommen worden. Die Experten vom bayerischen Landeskriminalamt fanden tatsächlich Spuren, die auf den Täter wiesen.

Nachdem der Fall im April in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ ausgestrahlt worden war, bekam das Ermittlerteam um den Osnabrücker Kriminalhauptkommissar Uwe Hollmann durch Zuschauerhinweise fast 800 neue Spuren – 50 Menschen wurden zu einer freiwilligen DNA-Probe gebeten. Auch der jetzt in Untersuchungshaft sitzende 45 Jahre alte Tatverdächtige nahm an der Reihenuntersuchung teil – freiwillig. Als der Treffer feststand, sei der kinderlos verheiratete Mann „freundlich“ zu einem Gespräch gebeten worden, erzählt Hollmann. Anfangs habe er zwar geleugnet, aber nach drei Stunden Verhör doch gestanden, ergänzt Feldkamp.

Es gebe noch einige ungeklärte Mordfälle bei der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, sagt Feldkamp. „Sie reichen zurück bis ins Jahr 1960.“ Aber nicht mehr in allen Fällen gebe es heute noch Spuren, die auf DNA analysiert werden können. „Früher wusste man noch gar nichts von der Möglichkeit der DNA-Analyse“, sagt Feldkamp. Teils seien früher auch sichergestellte Beweisstücke und Akten nach einigen Jahren vernichtet worden. „Das macht man heute nicht mehr. In Mordfällen wird nichts vernichtet“, betont der Oberstaatsanwalt.

Die Spuren seien auch nicht so gesichert worden wie heute, erläutert Ulf Küch. Der Leiter der Kripo Braunschweig ist Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Niedersachsen. „Die DNA-Auswertung begann erst Anfang der 90er Jahre“, sagt er. Auch die Verjährungsfrist von Mord sei erst Anfang der 90er vom Bundestag abgeschafft worden.

Zu einem der weltweit ersten DNA-Massentests kam es Ostern 1998 in Niedersachsen, als mit der Genanalyse der Kinderschänder und Mädchenmörder Ronny R. als Täter überführt wurde. Er hatte die elfjährige Christina „Nelly“ N. bei Cloppenburg getötet. Mittlerweile wird immer wieder in „alten“ Mordfällen der Täter dank des genetischen Fingerabdrucks ermittelt. So verurteilte im Februar das Landgericht Braunschweig einen 46 Jahre alten Psychiatriepatienten nach mehr als zwei Jahrzehnten wegen Mordes und Vergewaltigung einer 23 Jahre alten Frau im Harz. Auch hier hatten moderne Analysemethoden die Anklage ermöglicht.

Dass im Fall Christina die Osnabrücker Polizei den Schlüssel zur Lösung von den Kollegen des bayerischen LKA und nicht aus Niedersachsen bekommen haben, sollte für die Politik im Land ein Weckruf sein, sagt BDK-Landesvorsitzender Küch. Das LKA in Hannover habe die geringsten Kapazitäten aller Länder. „Wir warten mittlerweile auf die DNA-Auswertung über ein Jahr“, sagt er. In Hessen gebe es schon nach drei bis vier Wochen Ergebnisse. „Da kann das LKA auch nichts dafür, da muss die Politik einfach mal ein paar Stellen schaffen.“ Die Bevölkerung habe einen Anspruch darauf, dass Straftaten aufgeklärt würden.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.