Oldenburg - Für Mädchen oder junge Frauen, die unter den Folgen sexualisierter Gewalt leiden sind sie da: Das siebenköpfige Team der Beratungsstelle Wildwasser hört zu und spendet den Betroffenen Trost.
Insgesamt haben 434 Mädchen und Frauen im vergangenen Jahr Rat bei Wildwasser gesucht (374 telefonisch oder persönlich, 60 online), berichteten die Diplom-Pädagoginnen Birte Fuhrhop-Martenstein und Ingeborg Wibbe. Sie stellten am Freitag in ihren Räumen in der Lindenallee 23 den Tätigkeitsbericht aus dem vergangenen Jahr vor.
Ein neues Augenmerk legt die Beratungsstelle auf die Begleitung von Betroffenen während eines Prozesses. Wenn sich Opfer durchringen würden, Anzeige zu erstatten, wüssten sie häufig nicht, was auf sie zukommt. Dafür steht Cornelia de Vries zur Verfügung. Sie ist offiziell zertifizierte psychosoziale Prozessbegleiterin. So unterstützt die Beraterin Verletzte und Angehörige im Strafverfahren.
Die Beratungsstelle erhält öffentliche Zuschüsse von insgesamt 292 000 Euro. Die Stadt Oldenburg trägt 136 750 Euro, das Land Niedersachsen 52 500 Euro, der Landkreis Oldenburg 19 800 Euro und der Landkreis Ammerland 5000 Euro. Etwa 75 000 Euro müsse der Verein zusätzlich durch Spenden aufbringen.
Fasst sich beispielsweise ein 15-jähriges Mädchen ein Herz und wendet sich an die Wildwasser-Beraterinnen, versuchen diese sie zu stabilisieren. Es kann eine Traumaberatung mit Beratungshund Emil erhalten.
Dass sich, wie in diesem Fallbeispiel eine Jugendliche an die Beratungsstelle wende, sei nicht ungewöhnlich. Mit 22 Prozent ist die Beratungsgruppe der 13 bis 17-jährigen am häufigsten vertreten.
Auch die Eltern könnten mit ins Boot geholt und separat beraten werden. Der Betroffenen und ihren Angehörigen können die Beraterinnen weitere Hilfen vom Jugendamt, vom Fonds sexueller Missbrauch oder der Schule zukommen lassen.
Entscheidet sich das Mädchen für eine Anzeige, kann sie als Minderjährige durch das Gericht eine Psychosoziale Prozessbegleitung beigeordnet bekommen. Dann unterstützt Cornelia de Vries bei rechtlichen Fragen.
Im vergangenen Jahr war die Begleitung für sechs Prozent Anlass zur Beratung. Den größten Teil mache die Stabilisierung nach sexueller Gewalt aus (32 Prozent), gefolgt von Anträgen an den Fonds sexueller Missbrauch (21 Prozent). Der Fonds drohte im April 2016 geschlossen zu werden, daher wurde im Vorfeld noch viel beantragt. Auch die Krisenintervention, das schnelle Agieren, mache mit 20 Prozent viel aus.
In der Psychosozialen Prozessberatung gehe es darum, den Betroffenen den Druck, die Unsicherheiten und Ängste vor oder im Prozess zu nehmen. „Dann ist sie aussagetüchtiger und es hilft der Justiz, sich zu entscheiden“, glaubt Ingeborg Wibbe.
60 Prozent der Ratsuchenden kommen aus Oldenburg. Mit 19 Prozent folgt der Landkreis Oldenburg vor dem Landkreis Ammerland (11 Prozent), zeigen die Erhebungen.
