ZETEL - Gemeindebrandmeister Heiner Haesihus hat sich am Freitagabend vermutlich keine Freunde gemacht, als er eine Übung ansetzte. Mitten in die Übertragung des Fußball-Länderspiels Türkei - Deutschland platzte eine Alarmmeldung: Feuer im St.-Martins-Heim. Alarmiert wurden die Freiwilligen Feuerwehren Zetel und Neuenburg sowie die Feuerwehr des Munitionsdepots im Fuhrenkamp und die Schnelle Einsatzgruppe des Deutschen Roten Kreuzes. „Ich bin aus Solidarität gekommen“, sagte Zetels Bürgermeister Heiner Lauxtermann, der sich die Übung anschaute und Haesihus vorab auf die Fußball-Übertragung hingewiesen. Haesihus blieb standhaft. Immerhin hatte es noch nie eine Übung der Feuerwehren im St.-Martins-Heim gegeben.
Verqualmung im Flur
Wohl hatte es dort vor Jahren eine Verqualmung durch eine Pfanne in der Küche gegeben, worauf die Feuerwehr ausrückte, erinnert sich die Leiterin des St.-Martins-Heims, Maria Bockhorst-Wimberg. Auch sie war zum St.-Martins-Heim gekommen, um zu schauen, wie die Übung ablief. Nach kurzer Zeit schon waren die beiden Feuerwehren aus Zetel und Neuenburg vor dem Gebäude. Die Brandmeldeanlage war ausgelöst worden. Der Flur war verqualmt, und die Feuerwehrleute mussten mit schwerem Atemschutz in dem Gebäude vorrücken – immer zu zweit, um sich gegenseitig abzusichern. Das Übungsszenario sah ferner vor, dass zwei Personen vermisst wurden, neun Personen, teilweise gehbehindert, mussten aus dem verqualmten Wohntrakt ins Freie gebracht werden. „Bei den Personen handelte es sich übrigens um Freiwillige, nicht um die eigentlichen Bewohner“, erläuterte Feuerwehr-Pressesprecher Timm Schulze. Die Brandbekämpfung wurde mit zwei C-Strahlrohren vorgenommen.
Feuerwehrmann in Not
Gemeindebrandmeister Haesihus schaute sich aufmerksam das Vorgehen seiner Feuerwehrkameraden an, die von Ortsbrandmeister Matthias Kruse angeführt wurden. Während die einen von einem Nebeneingang ins Haus gelangten, sorgten die Bundeswehr-Feuerwehrleute für eine Evakuierung des Gebäudes von der anderen Seite. Plötzlich wurde Ortsbrandmeister Kruse lauter und winkte Bundeswehr-Feuerwehrleute herbei: Ein Mayday-Signal hatte angezeigt: Feuerwehrmann in Not. Der musste nun gerettet werden, mit einem Ersatzatemschutzgerät für den hilflosen Feuerwehrkameraden rückten die Feuerwehrleute vor.
Gemeindebrandmeister Haesihus zeigte sich im Anschluss zufrieden mit dem Ablauf der Übung. „Es gab aber auch neue Erkenntnisse und gibt noch Verbesserungsbedarf“, sagte Haesihus, der eine gründliche Nacharbeitung der Übung ankündigte. „Das zeigt einmal mehr die Wichtigkeit der regelmäßigen Durchführung von solchen Übungen.“ Zu den Beobachtern gehörte auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Olaf Fianke aus Varel. Er wies darauf hin, dass die Bergung hilfloser Personen aus solchen Gebäuden wie dem St.-Martins-Heim nicht unproblematisch sei. Die verwinkelten Räume und Flure erschwerten eine Orientierung – bei Dunkelheit und verqualmten Räumen um so mehr. Zur Orientierung dienen den Feuerwehrleuten Rettungspläne mit dem Grundriss der Gebäude. Was nicht im Übungsszenario stand: In der engen Zufahrt zum St.-Martins-Heim, und zwar im Wendehammerm, stand ein geparktes Auto. Im Ernstfall hätte es wohl die Feuerwehrfahrzeuge behindert.
73 Bewohner
73 Bewohner hat das St.-Martins-Heim. In einem Ernstfall wären auch die Freiwilligen Feuerwehren aus Grabstede und Bockhorn alarmiert worden, erläuterte Haesihus.
Die Freiwilligen Feuerwehren aus Zetel und Neuenburg waren mit acht Fahrzeugen und 43 Einsatzkräften im Einsatz. Die Feuerwehr des Munitionsdepots Zetel unterstützte mit zwei Fahrzeugen und sechs Feuerwehrleuten. Mit drei Fahrzeugen und sieben Helfern waren der Rettungsdienst Friesland und die SEG des Roten Kreuzes aus Zetel vor Ort.
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