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Freiwillig auf hoher See im Einsatz

Sönke Spille

Zetel - Technische Hilfeleistungen, Verunfallten erste Hilfe leisten und Retten aus Gefahrensituationen: Wenn Menschen auf dem Wasser in Not sind, dann können sie sich auf seine Hilfe verlassen. Ernst Reiner Linden aus Zetel ist ehrenamtlich auf einem Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) unterwegs und hilft Menschen in Gefahr.

Nach seiner Pensionierung bei der Bundeswehr 2007 wurde er durch Freunde auf das Freiwilligen-Angebot der Seenotretter aufmerksam. „Ich bin in der Freizeit seit vielen Jahren Segler – und da ist man eigentlich froh, wenn man keinen direkten Kontakt zu ihnen hat“, sagt Ernst Reiner Linden. Dazu war er 36 Jahre lang bei der Marine, auf verschiedenen Minensuchern und Fregatten auf den Weltmeeren unterwegs. „Da wachsen einem irgendwann Seebeine“, gesteht er lachend.

Auch heute ist das Wasser fester Bestandteil in seinem  Leben – 70 Tage im Jahr ist er für die DGzRS als ehrenamtlicher Helfer auf dem Seenotrettungskreuzer „Hannes Glogner“ unterwegs.

Einsatzorte wechseln

Das Besondere an der „Hannes Glogner“: Sie ist ein Reservekreuzer und über das Jahr hinweg an keine feste Station gebunden. Wenn ein stationiertes Schiff in Wartung geht, übernimmt die „Hannes Glogner“ für diesen Zeitraum die Seenotrettung in diesem Bereich. „Das hat natürlich seinen Reiz“, sagt der gebürtige Rheinländer. Neben ihm als freiwilliger Helfer sind nur hauptamtliche Mitarbeiter auf dem Boot.

„Die freiwilligen Helfer sind immer eine Woche im Einsatz, ehe sie abgelöst werden“, sagt Linden. Während der gesamten Zeit wird das Schiff von keinem der Besatzungsmitglieder verlassen. „Wir müssen immer einsatzbereit sein“, erklärt Linden. Untätig sind sie in der Zeit ohne Einsatz aber nicht.

„Die ,Hannes Glogner’ ist weiblich und benötigt somit eine ganz besondere Pflege“, sagt Ernst Reiner Linden. So stehen Wartung und Instandhaltung der technischen Geräte und die Überprüfung der Medikamente an Bord in der Prioritätenliste weit oben, dazu kommen kurze Übungsfahrten. „Im Notfall muss jeder Handgriff sitzen“, weiß der Rentner.

Wenn das Team auf dem Retter dann wirklich von der Seenotleitung MRCC in Bremen alarmiert wird, zählt jede Minute. Die Maschinen sind vorgewärmt, das Prozedere mehrere Hundert Male geprobt. „Alles läuft ohne Worte ab, es kommt keine Hektik auf“, berichtet Linden. Und das Schiff startet – egal bei welchen Witterungsbedingungen. Bereits auf der Fahrt habe er im Hinterkopf: „Was kommt auf mich zu?“ – doch was ihn wirklich erwartet, das weiß er vorher nie so wirklich.

Wenn die große „Hannes Glogner“ aufgrund der Wassertiefe nicht mehr dichter herankommt, dann geht es für Linden als Nautiker und den zweiten Maschinisten auf dem Tochterboot „Flinthörn“, einem kleinen Schiff aus Aluminium, weiter. Linden: „Wir tun alles, um zu helfen.“

Zu den meisten Einsätzen werden er und seine Kollegen bei den Sportschiffern gerufen. Es gibt aber auch andere, ganz spezielle Einsatzfahrten.

So wird auch Seemännern auf Containerschiffen geholfen, die dort zum Beispiel gestürzt sind oder über Schmerzen am Herzen klagen. „Dann klettern wir, mit dem Rettungsrucksack auf dem Rücken, an einer kleinen Leiter die zehn Meter hohe Wand hinauf“, erzählt Linden. Weitere Behandlungen können dann an Bord des Rettungskreuzers stattfinden. „Wir haben hier einen kleinen Behandlungsraum, der ähnlich ausgestattet ist wie ein RTW.“

Auch bei brennenden Schiffen können die Rettungskreuzer der DGzRS helfen. „Alle Schiffe verfügen über Pumpen im Getriebe und eine Spritze mit der Reichweite von bis zu 100 Metern“, sagt Linden. Damit könne man brennende Schiffe kühlen und die Feuerwehrkräfte auf dem Wasser unterstützen. „Wir versuchen auf unserem Schiff, auf kleinstem Raum möglichst alles abzudecken.“

Geburt an Bord

Als besonders schönen Einsatz hat er die Geburt eines Babys auf der „Hannes Glogner“ in Erinnerung. „Wir sollten die Mutter damals von der Insel zu einem Krankenhaus ans Festland bringen“, blickt Linden zurück. Doch bis dahin warten wollte das Mädchen nicht und erblickte auf offener See das Licht der Welt. „Unser Maschinist war damals der Geburtshelfer.“

Damit die Retter auch fachlich auf dem neuesten Stand bleiben, finden im Trainingszentrum in Neustadt immer wieder Übungen statt, dazu muss der Arzt alle zwei Jahre eine Seetauglichkeit ausstellen. „Man muss gewillt sein, sich nicht auf sein bisheriges Wissen zu verlassen, sondern immer weiterzulernen“, sagt Linden. „Bei den Übungen stellen wir auch manchmal die Personen dar, die auf die Hilfe angewiesen sind.“ Dazu zählt auch drei Stunden lang auf einer Rettungsinsel ausgesetzt zu sein. „Damit können wir selbst die Erfahrung machen, wie es ist, Havarist zu sein.“

Auch, wenn er für eine gesamte Woche das Schiff nicht verlassen darf und mit Schicksalsschlägen konfrontiert wird – ans Aufhören hat Linden noch nicht gedacht. „Spaß und Ernst geben sich gegenseitig die Hand“, meint der Zeteler. „Ich freue mich, wenn ich helfen kann.“ Die gemeinsame Zeit, die Arbeit und verschiedenen Erlebnisse mit den Kollegen an Bord machen ihm einfach großen Spaß. Vorsicht sei dabei aber immer geboten, denn „eine gewisse Eigengefährdung ist immer dabei“.

Trotzdem: Wenn die Seenotretter helfen können und die Havarierten am Ende sicher an Land stehen, sei es für Ernst Reiner Linden jedes Mal aufs Neue ein kleines Erfolgserlebnis. „Dann sind wir glücklich, dass wir es geschafft haben, alle gesund an Land zu bringen“, sagt Linden. Spätestens im März wird er seinen nächsten einwöchigen Dienst auf der „Hannes Glogner“ auf Borkum antreten. Dort hofft er, dass weitere Erfolgserlebnisse dazukommen werden, sagt aber auch: „Der schwerste Einsatz ist immer der nächste.“

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