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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Heftiges Unwetter Und Seine Folgen: Zwei Tote durch umgestürzte Bäume

23.06.2017

Hannover Ein heftiger Sturm und starke Regenfälle haben am Donnerstag in Norddeutschland gewütet. Mindestens zwei Menschen starben durch umstürzenden Bäume. Die Orkanböen, der heftige Regen und Hagel ließen zeitweise auch den Zugverkehr im Norden stillstehen. Am Bremer Hauptbahnhof strandeten nach Angaben der Feuerwehr rund 600 Reisende, darunter vier Schulklassen aus Hamburg. Während der Fernverkehr am Abend wieder rollte, halten die Behinderungen im Nahverkehr teilweise auch am Freitag noch an. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnete auch am Abend und in der Nacht weiterhin mit schweren Gewittern im Norden.

Störungsübersicht der Deutschen Bahn

Ein 50-jähriger Mann wurde am Mittag in Holdenstedt bei Uelzen auf einem Parkplatz von einer herabstürzenden Eiche erschlagen, als er in seinem Auto wartete. Seine Frau neben ihm musste den Unfall mit ansehen, sie wurde nur leicht verletzt.

Im Kreis Gifhorn starb eine 83 Jahre alte Frau, nachdem sie mit ihrem Auto durch das Geäst eines umgestürzten Baumes gefahren war. Der Baum müsse unmittelbar vor der Frau in Alt Isenbüttel auf die Bundesstraße 244 gekippt sein, teilte die Polizei am Abend mit. Die gesamte Dachpartie des Autos sei eingedrückt worden.

Glück hatten Zehntausende Besucher des Rockfestivals „Hurricane“ in Scheeßel zwischen Hamburg und Bremen. Dort baten die Veranstalter zwar am Morgen alle Festivalgäste inständig darum, wegen des erwarteten Unwetters so spät wie möglich anzureisen. Tatsächlich gab es im Kreis Rotenburg nach Auskunft der Feuerwehr aber deutlich weniger Schäden als anderswo.

Julia (24) aus Hamburg kam mit einer Handvoll anderer Gäste während des Unwetters eine halbe Stunde bei einem Landwirt direkt neben dem Festivalgelände unter. „Ein netter Bauer hat uns seinen Schuppen zur Verfügung gestellt“, berichtete die junge Frau. Im vergangenen Jahr hatte das Festivalgelände in Scheeßel großflächig unter Wasser gestanden, viele Zelte der Besucher soffen ab. „Wenn man das letzte Jahr miterlebt hat, macht man sich heute nicht so viele Gedanken“, sagte Julia.

Im Kreis Harburg gab es die größten Verwüstungen in Niedersachsen, nach ersten Erkenntnissen aber keine Verletzten. Dächer wurden abgedeckt, Scheunen fielen in sich zusammen, bis zum Mittag gab es 250 Einsätze für die Feuerwehr. In Fliegenberg an der Elbe wurde eine Schafherde unter umgestürzten Bäumen begraben, zahlreiche Tiere verendeten. „Die Spuren sprechen ein deutliches Bild hier. Das war ein Tornado-Ereignis“, sagte Feuerwehrsprecher Matthias Köhlbrandt. Der DWD konnte das zunächst nicht bestätigen, er sprach von einer großflächigen Gewitterzelle in dem Ort.

Auch in Hamburg wurde der Tornado beobachtet, dort gab es zunächst keine Berichte über Schäden. Der DWD berichtete, Meteorologen hätten den typischen Luftschlauch eines Wirbelsturms gesichtet, der aber nur kurz angehalten habe.

Für viele Bahnreisende ging durch das Unwetter in Norddeutschland nichts mehr: Umgestürzte Bäume legten beinahe alle ICE-Strecken im Norden lahm. Die Strecken Hamburg-Berlin, Hamburg-Hannover, Bremen-Hannover und Hannover-Wolfsburg-Berlin wurden unterbrochen. Erst am Abend normalisierte sich der Verkehr wieder. Im Nahverkehr dauert es teilweise bis Freitag, bis alles wieder nach Plan läuft.

Das regionalen Bahnunternehmen Metronom teilte mit, durch umgestürzte Bäume seien Strecken kaum oder nur mit großen Einschränkungen zu befahren. Betroffen waren die Linien von Uelzen, Bremen und Cuxhaven nach Hamburg. Auch das Festival in Scheeßel war am Donnerstag wegen des Unwetters nicht mehr mit der Bahn zu erreichen.

Auf den Autobahnen in Niedersachsen gab es Behinderungen auf der A7 zwischen Hamburg und Hannover, dort warnte die Verkehrsmanagementzentrale vor Gefahr durch umgestürzte Bäume zwischen Evendorf und Bispingen. Ein Baum bremste auch den Verkehr auf der A1 zwischen Hamburg und Bremen bei Hollenstedt aus.

Der Wetterdienst sagte weitere schwere Gewitter für den Norden voraus. „Es bleibt spannend“, sagte Meteorologe Thomas Ruppert. „Am Abend und in der Nacht drohen im Norden weiterhin Gewitter mit Hagel und Starkregen.“ Für Festivalbesucher sei ein Unwetter im Freien natürlich gefährlich, etwa wenn Blitze einschlügen oder Panik wegen des Wetters aufkomme.

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