Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Historie Zweiter Schuss trifft ins Bein

Scharrel - Ein Text über Tuberkulose, über das Heimatland der Vorväter oder über einen gewaltigen Sturm. Helena Stolle aus Scharrel hat als Schülerin so einige Aufsätze geschrieben – mal mit Tinte, mal mit Bleistift. Von 1942 bis 1950 besuchte die heute 83-Jährige die Volksschule in Scharrel. Ihr damaliger Lehrer, der 1997 verstorbene August Ahrens, benotete ihre Aufsätze damals nach Inhalt, Fehlern und Schrift. „Ich habe Dinge aufgeschrieben, die ich selbst erlebt oder gehört habe. Meistens habe ich eine eins oder zwei dafür bekommen“, sagt Stolle, die damals noch mit Nachnamen Jansen hieß.

7. November 1949

Bisher haben die zahlreichen Aufsatzhefte unbeachtet auf dem Dachboden gelegen. Beim Durchsehen allerdings, ist ein Aufsatz besonders aufgefallen: über den Raubüberfall in Ramsloh-Hollen, der sich am 7. November 1949 ereignet hatte. Geschrieben hat Stolle ihren Aufsatz am 12. November 1949. Der Cousin ihrer Mutter habe erzählt, wie sich der Raubüberfall zugetragen habe, sagt Stolle. Und sie schrieb es auf.

So handelte es sich bei dem Opfer um einen Kuhmilchkontrolleur aus Scharrel, der immer am Monatsende seinen Verdienst bei der Molkerei in Ramsloh-Hollen abholte. Als er gerade mit dem Fahrrad auf dem Rückweg war, mit seinem Lohn für den Oktobermonat in seiner Briefmappe, kam ein Wegelagerer plötzlich aus dem Gebüsch, sprang vor das Fahrrad und hielt es am Lenker fest.

Der Täter trug einen langen Mantel, einen Hut und einen Strumpf vor dem Gesicht und hielt eine Pistole in der Hand. Mit dieser bedrohte er den Scharreler und forderte die Briefmappe.

So schnell wollte der Milchkontrolleur das Geld aber nicht hergeben. Bei dem Versuch, dem Täter die Pistole abzunehmen, löste sich ein Schuss. Glücklichweise ging dieser daneben und die Waffe fiel zu Boden. Als der Kontrolleur sich bückte, um die Pistole vom Boden aufzuheben, griff der Täter in seine Jackentasche und nahm die Briefmappe an sich. Er wollte noch einmal schießen, allerdings klemmte die Kugel. Ein dritter Versuch glückte und eine Kugel traf den Kontrolleur ins linke Bein, als er auf sein Rad stieg und losfahren wollte.

Er band die Wunde mit einem Taschentuch ab, legte sein krankes Bein auf die Lenkstange und machte sich auf die Suche nach Hilfe. Diese fand er bei einem nahegelegenen Haus. Als er entkräftet zu Boden sank und nach Hilfe rief, kamen die Hausbewohner. Der Kontrolleur musste dann ins Barßeler Krankenhaus.

Waffe gefunden

Die Polizei untersuchte den Tatort dann mit Spürhunden. Die Waffe konnte in Nähe des Tatorts schließlich gefunden werden. Letzteres bestätigt auch ein Bericht in der NWZ vom 11. November 1949.

Ihren Aufsatz möchte Stolle jetzt mithilfe von Gretchen Grosser, mit der sie auch sonst oft zusammenarbeitet, ins Ramsloher Saterfriesische übersetzen und am Saterfriesischen Schreibwettbewerb „Seelter Skrieuwerpries aan Skrieuwerwädstried foar alle Seelter“ teilnehmen. „Ich sprech nur Scharreler Saterfriesisch“, sagt Stolle. Beim Wettbewerb gehe es aber um Ramsloher Seeltersk.

Wie Stolle erzählt, hat sie mit ihren Aufsätzen der Familie Ahrens aus Friesoythe eine Freude gemacht. Hildegard Ahrens, die Frau von August Ahrens, und ihre Töchter, die Gymnasiallehrerinnen waren, hätten sich sehr darüber gefreut, dass sie die alten Aufsätze nach fast 70 Jahren mitgebracht habe. Letztere seien stolz, dass ihr Vater in den Kriegsjahren so gute Schüler hervorgebracht habe. Und Hildegard Ahrens hätte nach einem Blick auf die Noten gesagt: „Sie waren nicht nur eine gute Schülerin, sondern wohl die beste von August.“

Tanja Mikulski
Tanja Mikulski Redaktion Münsterland
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
„Sylt oben links nicht rechts“, steht auf einem Plakat, das eine Frau bei einer Mahnwache am Sonntag auf Sylt in der Hand hält. In Niedersachsen sind dem LKA 28 Fälle von Umdichtungen bekannt.

RECHTSEXTREME GESÄNGE ZU PARTY-HIT Auf Grölen von Parolen können Freiheitsstrafen folgen

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Ein Stein vom Herzen gefallen: Kickers-Vorsitzender Hendrik Poppinga und Schatzmeisterin Ute Specht haben für den Verein zig Stunden mit Bilanzen und Paragrafen verbracht.

KICKERS-EMDEN-GMBH „Wir sind nicht das Man City von Emden“ – So geht es jetzt weiter beim Regionalligisten

Lars Möller
Emden
Kommentar
Der ehemalige US-Präsident Donald Trump verlässt den Gerichtsaal des Strafgerichts in Manhattan

URTEIL GEGEN DONALD TRUMP Ein vorbestrafter Präsident?

Fridemann Diederichs Büro Berlin
Die Unfallstelle: Am Bahnübergang Liethe erinnerten ein Holzkreuz und Grablichter an das tragische Unglück, bei dem ein 52-jähriger Rasteder ums Leben kam.

NACH TÖDLICHEM BAHNUNFALL IN RASTEDE Anklage erhoben gegen Bahnsicherungsposten

Frank Jacob
Rastede
Klaus-Peter Wolf

KOLUMNE Romanfigur Rupert rettet Leben

Klaus-Peter Wolf
Ostfriesland