BLOHERFELDE - 25 000 Menschen in Oldenburg sind von materieller Armut betroffen: Das ist die Zahl, auf die Hermann Buse kommt. Mit sechs weiteren Experten diskutierte der Leiter der Kreisgeschäftsstelle der Diakonie am Donnerstagabend in der Bloherfelder Kirche über Gründe und Lösungen. Die Akademie der Evangelisch-Lutherischen Kirche hatte unter dem Titel „Kinder, Armut und Bildung“ dazu eingeladen.
„Hartz-IV- und Wohngeld-Bezieher, deren Angehörige plus eine Dunkelziffer“, so lautet die Rechnung, die Buse auf 25 000 Menschen kommen lässt. Und: Fast jedes vierte Kind gelte in Oldenburg als arm.
Roland Kloos von Radio Bremen moderierte die Diskussion vor knapp 40 Zuhörern. Neben Buse erörterten die Integrationsbeauftragte Dr. Ayça Polat, Dr. Heinrich Ricking (Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Uni), Dr. Heyo Prahm (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie), Ingrid Klebingat (Bundesvereinigung Ev. Tageseinrichtungen für Kinder) sowie die Oldenburger Jugendhilfeplanerin Lore Puntigam das Problem.
„Armut ist ein bildungsbenachteiligender Faktor“, erklärte Ricking. Die Schulen müssten so aufgestellt werden, dass die Hilfe für Kinder früh einsetze. Klebingat forderte: „Wir müssen die Mitarbeiter der Kitas für die Zeichen der Armut sensibilisieren.“ Zum Beispiel seien falsche Kleidung zur falschen Jahreszeit oder fehlende Geburtstagsfeiern auffällig.
Man war sich einig, dass Bildung ein wichtiger Schlüssel zur Bekämpfung der Armut sei. „Nur so können wir den Umstand durchbrechen, dass sich Armutsbetroffenheit in der nächsten Generation fortsetzt“, sagte Polat. Und Prahm ergänzte dazu die Forderung nach einem fördernden Gesamtschulsystem: „Die meisten Kinder können mehr, als die Schule bisher aus ihnen herausholt.“
