BOCKHORN - Die Zahlen sprechen für sich, die Entwicklung ist eindeutig, sie kann sogar dramatische Konsequenzen haben. In der Gemeinde Bockhorn gibt es immer weniger Kinder. Das lässt sich an den Bedarfszahlen für Kindergartenplätze ablesen, die Mittwochabend im Ausschuss für Jugend, Kultur, Sport und Soziales im Rathaus vorgelegt wurden. Werden derzeit 244 Plätze für entsprechende Rechtsansprüche benötigt, sind es 2008/09 noch 227, ein Jahr später 197, und 2010/11 wird mit 168 Plätzen gerechnet. Ein Verlust innerhalb von zwei Jahren von fast 80 Plätzen.
Die erste Folge: Nach Ansicht der Verwaltung, so Bürgermeister Ewald Spiekermann, muss bereits zum August 2008 eine Nachmittagsgruppe aufgelöst werden. Er schlug vor, sie im Katholischen Kindergarten zu streichen, um den frei werdenden Raum für mehr Krippenplätze zu nutzen.
Das kam im Ausschuss aber nicht so gut an. „Warum gerade im Katholischen Kindergarten“, fragte Thorsten Krettek (CDU), „den wir doch gerade erst für 100 000 Euro ausgebaut haben“, fügte die Ausschussvorsitzende Heinke Sieckmann, ebenfalls CDU, hinzu. Auch Jochen Meineke (FDP) hielt das nicht für den richtigen Weg, da gerade erst geschaffene Strukturen im Kindergarten wieder zerstört würden.
Olaf Nack (UWG) regte an, über Konzepte für alle drei in Bockhorn bestehenden Kindergärten nachzudenken, um so die Zukunft besser gestalten zu können. Krettek wies darauf hin, dass genau das von der CDU gefordert worden sei, im alten Rat aber mit UWG-Stimmen abgelehnt worden war. Nack und Krettek waren sich aber einig: „Jetzt kocht jeder Kindergarten seine eigene Suppe, wir müssen alle an einen Tisch bekommen.“ Zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der „Initiative für Kinder, Jugend und Familie“, wie deren Vorsitzende Petra Barteldt in der Einwohnerfragestunde forderte, und dem Gemeindeelternrat, dessen Vertreterin im Ausschuss, Anke Roßkamp, dazu aufrief, auch über längere Betreuungszeiten und Ganztagskindergärten nachzudenken, um das soziale Angebot in der Gemeinde Bockhorn anzuheben.
Der Ausschuss sprach sich für die Schließung einer Nachmittagsgruppe aus, aber in welchem Kindergarten, im katholischen oder evangelischen, das soll die Verwaltung in Gesprächen mit den kirchlichen Trägern abstimmen.
Eine Gruppe weniger – das könnte nur ein Vorgeplänkel sein. Nach Auskunft von Spiekermann wurden 2007 nur noch rund 50 Bockhorner Kinder geboren. Olaf Nack: „Über kurz oder lang müssen wir uns von einem ganzen Kindergarten verabschieden – dem Problem werden wir uns zu stellen haben.“
