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NWZonline.de Region Friesland Gemeinden Bockhorn

Ein Reaktor brennt sich in die Erde

12.10.2013
NWZonline.de NWZonline 2015-07-22T15:35:22Z 280 158

Fukushima:
Ein Reaktor brennt sich in die Erde

Steinhausen Mehr als 50 Zuhörer waren Donnerstagabend nach Steinhausen gekommen, um sich vom Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) über die Lage rund um den japanischen Unglücksreaktor in Fukushima informieren zu lassen. GELB-Sprecher Dr. Joachim Hensel freute sich über das große Interesse, führte es aber auch darauf zurück, dass Fukushima zweieinhalb Jahre nach der Katastrophe immer noch in den täglichen Nachrichten zu finden ist.

Kein Wunder, sagt Ralph Niemeyer, denn die technischen Probleme sind nicht zu lösen. „Die Kernschmelze läuft, im Gerüst aus morschem Beton lagern sich selbst zerstörende Brennstäbe, radioaktiv verseuchtes Kühlwasser läuft in die See. Ein Reaktor brennt sich in die Erde.“ Der Journalist aus Neustadt war mehrfach dort, sprach mit Opfern, Demonstranten, Wissenschaftlern und drehte darüber den Film „Hibakusha“, den er in Steinhausen zeigte.

Nach Ansicht von Niemeyer wächst die Zahl der Menschen, die gegen die mächtigen Energiekonzerne, gegen Regierung und staatskonforme Medien „auf die Straße gehen“. Sie werden unterstützt von Gewerkschaften, Künstlern und wenigen Wissenschaftlern, die sich den Mund nicht verbieten lassen. Ihr Ziel ist das Ende der Atomwirtschaft in Japan.

Messdaten würden manipuliert, gesperrte Straßen rund um Fukushima verschwänden aus aktuellen Karten. Die hohen Strahlenwerte außerhalb der viel zu kleinen Evakuierungszonen „werden die Menschen in den kommenden Jahren spüren.“ Bei Tausenden Kindern in der Gegend seien jetzt schon vermehrt Zysten aufgetreten. Die finanziellen Auswirkungen der Katastrophe „hat die herrschende Schicht noch gar nicht erkannt. In acht Jahren steht Japan da, wo sich heute Griechenland befindet“, zitierte Niemeyer einen Wirtschaftswissenschaftler.

Die Folgen für die Umwelt bezeichnete er als „Horrorszenario“. Das täglich in riesigen Mengen produzierte radioaktive Kühlwasser aus Fukushima wird in wenigen Jahren in allen Weltmeeren zu finden sein. In Tokio steigen die Strahlenwerte. Niemeyer: „Langfristig steht eine Evakuierung Tokios bevor. Das läuft auf eine Teilung Japans hinaus. Doch wo sollen die 40 Millionen Menschen aus dieser Region hin? Immerhin, die Wirtschaftseliten ziehen bereits nach Osaka. Mit kleinen Kindern sollte man in Tokio nicht mehr wohnen.“