Steinhausen - 80 Prozent der 14-Jährigen und 100 Prozent der 18-Jährigen haben Zugang zu sozialen Medien. Emsiges Nutzen hat nach Auskunft von Stefan Kloppenburg, Suchtberater für die Diakonie Friesland/Wilhelmshaven, psychosoziale Folgeschäden. 2,4 Prozent der Jüngeren sind betroffen, 4 Prozent der Älteren, mit steigender Tendenz, erklärte der Referent am Donnerstagabend vor dem Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) in der Altdeutschen Diele in Steinhausen.

Computerspiele und Netzwerke lassen sich gezielt zur Bereicherung des Alltags nutzen, so Kloppenburg, doch gerade junge Menschen in der Entwicklungsphase würden häufig dem Suchtpotential erliegen: „In den Spielen erfahren sie direkte Erfolgserlebnisse, die Aufgaben sind leichter zu lösen als in der Schule. Es gibt direkte Rückmeldungen in den Netzwerken, die Jugendlichen finden sofort Gleichgesinnte. Sie können so Konflikten aus dem Weg gehen.“

Problematisch werde es, wenn Spiele und Netzwerke mit den Tausenden Followern zum Ersatz für die Realität mit den Freunden mutiere. Wie zeigt sich das? Die einen werden aggressiv (das fällt auf), andere, vor allem Mädchen, eher still und zurückhaltend, depressiv (das fällt nicht so schnell auf). Immer aber liegen emotionale Defizite vor, die Kinder und Jugendlichen ziehen sich zurück, vernachlässigen Freunde, Schule, Sport, sagt der Suchtberater.

Was können Eltern tun? Kloppenburg: „Sie müssen Kompetenz im Umgang mit den Medien vermitteln, Strukturen schaffen, Modell für Kinder sein. Man verliert moralische Autorität, wenn man sich nicht selbst an die Regeln hält.“ Die Eltern sollten ihre Kinder beim Umgang mit den Medien begleiten und vor allem auf die Inhalte achten. Wenn Verhaltensauffälligkeiten auftreten, sollten die Eltern Beratungsstellen aufsuchen. In der Diskussion bekannten Eltern, im Umgang mit Spielen und Netzwerken überfordert zu sein: „Die Kinder machen uns etwas vor.“

Im Vorfeld dieses Informationsabends hatte GELB den Film „Thank you for calling“ von Klaus Scheidsteger gezeigt. Darin geht es um die Gefahren von Mobilfunk-Strahlung. GELB-Sprecher Dr. Joachim Hensel berichtete, dass viele der Zuschauer sehr betroffen gewesen seien.