Steinhausen - Dr. Joachim Hensel, Sprecher des Gesprächskreises für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB), gab das Motto vor: „Wie lange halten Handys? Bis zum nächsten Modell“. Gemeinsam mit Computern und Fernsehern landen sie dann im Müll. 2017 wurden weltweit rund 65,5 Millionen Tonnen kaputte Geräte entsorgt. Udo Borkenstein, Referent am Donnerstagabend in der Altdeutschen Diele in Steinhausen, zitierte eine UN-Studie: „Die Erde versinkt im Elektroschrott.“

Für Handys steht am Anfang Coltan, hochwertiges Erz, vor allem im Kongo gewonnen, „unter unmenschlichen Bedingungen, umkämpft in Bürgerkriegen, die Erlöse genutzt für Waffenkäufe“. Aber, so Borkenstein: „Coltan-freie Handys gibt es nicht.“ In China werden fast alle Handys und Smartphones produziert, unter Zuständen wie in Bangladesh in der Textilherstellung: „1,3 Millionen Chinesen arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten bis zu sieben Tage in der Woche, ohne Pausen, mit unbezahlten Überstunden.“ Folge: hohe Selbstmordrate in den Fabriken.

Um an diesen Abläufen etwas zu ändern, könne Borkenstein zufolge nur die Politik helfen: „Sprechen Sie Ihre Bundestagsabgeordnete an“, empfahl er. Verbrauchte Fernseher und Computer landen auf giftigen Müllhalden zum Beispiel in Ghana (Arte Mediathek, Überschrift: „Ausblick auf die Apokalypse“). Wenn sie nicht in Elektrogeschäften zurückgegeben oder in Repair-Cafés wie in Zetel oder in Varel verwertet werden. Der Landkreis Friesland informiert über Sammelstellen (www.landkreis-friesland.de).

Auch für Handys gibt es Alternativen. Recycling-Firmen, Zwischenhändler, die aufkaufen. Borkenstein zufolge lohnt sich der Aufwand, allein rund 100 Millionen alte Handys sollen in deutschen Schubläden liegen. Sie enthalten jeweils bis zu 30 verschiedene Metalle, darunter Gold und Silber. Das sollte zurück in den Wirtschaftskreislauf. Erstaunlich: „Ohne Recycling lässt sich der weltweite Bedarf an Kupfer für Elektrogeräte gar nicht mehr decken.“