Steinhausen - Seit 25 Jahren geht die Vareler Tafel ihrer Aufgabe nach, gespendete Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen. In ihren besten Zeiten hatte sie bis zu 1000 Kunden, berichteten Anita Osterloh und Horst Fritsch Donnerstagabend vor dem Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) in der „Altdeutschen Diele“ in Steinhausen. „Ohne unsere 50 ehrenamtlichen Helfer wäre diese Aufgabe nicht zu schaffen“, betonte Fritsch.
In großem Stil werden in Deutschland Lebensmittel verschwendet. 60 Prozent landen in der Mülltonne – auch in privaten Haushalten. Es werde einfach zuviel eingekauft, darum, so der Rat von Fritsch, „nicht einkaufen, wenn man hungrig ist.“
Die Hälfte der Kunden an der Vareler Tafel sind Ausländer, doch anders als in Essen „haben wir mit ihnen keine Probleme, sie sind hilfsbereit und höflich“, unterstrich Anita Osterloh. Mit zwei Kühlwagen werden täglich Lebensmittel aus Supermärkten in Neuenburg, Zetel, Bockhorn, Varel, Wiefelstede und Jaderberg zur Tafel gebracht. Sie ist in einem Haus der Evangelischen Kirche an der Oldenburger Straße untergebracht. Die Kirche hat auch die Trägerschaft für die Tafel übernommen.
Die Vareler sind gut vernetzt mit anderen Tafeln in Westerstede, Oldenburg, Rastede und Bremen: „Wir bekommen jeden Dienstag Tiefkühlfisch von Nordfrost, andere haben einen guten Draht zum Edeka-Zentrallager oder zu Meica. Fischstäbchen oder Schlemmerfilets gegen Bratwurst oder Grünkohl – da ist ein richtiger Tauschhandel entstanden“, berichtete Fritsch. Übrig gebliebenes Brot komme von Bäckereien. Anita Osterloh: „Die Leute wollen um 18 Uhr noch frische Brötchen, da muss ein Umdenken stattfinden.“
Wer darf an die Tafel? Hartz-4-Empfänger erhalten dafür Bescheinigungen, Asylbewerber auch. Manche müssen von 300 Euro im Monat leben, sie könnten bei den Kommunen Grundsicherung beantragen. Doch viele würden das gar nicht wissen, oder sie unterlassen das aus Scham, erklärte Anita Osterloh. Mittwochs ab 14.30 Uhr ist Ausgabezeit, Singles zahlen zwei Euro, Familien drei Euro pro Kiste. Davon finanziert sich die Vareler Tafel hauptsächlich, es gehen aber auch Geldspenden ein.
Eine Zuhörerin fragte, was mit Obst aus Privatgärten sei. Horst Fritschs knappe Antwort darauf: „Zu uns bringen.“
