Petersdorf - Es regnet, als ich mit dem Auto auf den Parkplatz vor der Sporthalle in Petersdorf einbiege. Einen ganzen Arbeitstag habe ich schon in den Knochen. „Jetzt zum Abschluss noch ein bisschen rumturnen. Schaden kann es ja nicht“, denke ich mir, als ich nach meiner Sporttasche greife und mich auf in Richtung Umkleidekabine mache. Vor dem Eingang zur Sporthalle werde ich schon kritisch beäugt von den Rauchern, die aber offensichtlich auch hier sind, um „Gymnastik für Männer ab 45“ zu machen. „Immerhin erkennt man noch, dass ich jünger bin“, freue ich mich innerlich.

Rein in die Sportklamotten, die Hallenschuhe geschnürt, trabe ich als einer der Letzten in die Halle. Das helle, kalte Licht, der Geruch von Gummimatten und speckigem Leder auf den Turnkästen – ich fühle mich wieder wie im Sportunterricht, und dieses Gefühl wird in der kommenden Stunde nicht abreißen.

Hans Olliges ruft uns zusammen. Mit mir bilden 18 Männer, die altersmäßig eher der Zielgruppe dieses Kurses entsprechen, einen Kreis und lassen sich erklären, dass es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um Gesundheitssport geht. „Schaden kann es ja nicht“, denke ich wieder und begebe mich mit meinen Mitstreitern erst einmal auf die Laufrunde. Ganz gemächlich geht es los, aber nach rund fünf Minuten merke auch ich, dass eine halbe Schachtel Zigaretten am Tag wohl zu viel ist und auch das tagtägliche Sitzen auf dem Bürostuhl nicht zur körperlichen Ertüchtigung beiträgt.

„Gottlob“ schallt es durch meinen Kopf, geht es jetzt auf den Boden. Hinsetzen, im besten Fall sogar liegen und ein bisschen mit den Beinen wackeln. Erst einmal lernen wir das rückenschonende Aufstehen und alle rollen ein bisschen auf den Matten oder, in meinem Fall, auf dem Hallenboden herum. Danach soll es aber richtig losgehen mit Übungen für Rücken und Gelenke. Als Jüngster in der Gruppe will ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die Beine am höchsten zu strecken und die Bauchmuskeln am stärksten zu spannen, bezahle diesen Übereifer aber mit einem Zwicken in der Wade.

Dann darf Mann endlich Mann sein: Olliges lädt zum munteren Ballspiel und wir alle sind mit Feuereifer dabei – zumal es hier endlich auch um Punkte geht. Nach zehn Minuten lahmt mir und meinen Mitstreitern sichtlich der Arm, nach eigener Zählweise haben wir aber natürlich gewonnen.

Zum Abschluss wird es dann sehr entspannt: Auf dem Boden liegend spannen wir immer wieder einzelne Muskelgruppen an. Sieht nach Entspannung aus, heißt auch so, doch zwei Tage später meldet sich der Muskelkater in genau diesen Körperpartien.

Ein bisschen geschwitzt habe ich und bin gerade dabei, mich umzuziehen, als Olliges auf mich zukommt. „Wie alt bist Du eigentlich?“, fragt er mich. „28“, lautet die Antwort. „Davon hat man heute aber nix gemerkt“, feixt er. Aber ein Körnchen Wahrheit muss wohl dran sein, der Muskelkater bleibt schließlich nicht aus. Sport sollte also wieder nicht nur sonnabends auf dem Sofa stattfinden. Denn bekanntlich ist man nur so alt, wie man sich fühlt. Und in den Tagen nach dem Training fühle ich mich wie deutlich über 45.

Björn Buske
Björn Buske Online-Redaktion