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NWZonline.de Region Cloppenburg Gemeinden Bösel

Führerschein trotz Sprachbarrieren?

07.07.2018

Bösel „Jetzt musst Du schalten.“ Nicole Rolfes sitzt auf dem Beifahrersitz eines Fahrschulautos der Böseler Fahrschule Mammen und blickt ihre Schülerin Florina auffordernd an. Rolfes spricht langsam, deutlich. Florina überlegt, reagiert aber erst einmal nicht. Die Fahrlehrerin formuliert die Anweisung erneut, diesmal aber anders, einfacher: „Nächster Gang.“ Und sofort schaltet Florina einen Gang höher. Die 23-jährige Rumänin lebt und arbeitet seit drei Jahren in Deutschland. Sie spricht schlecht Deutsch, versteht es zwar ganz gut – doch längst nicht perfekt. Derzeit macht sie ihren Führerschein. Die Sprachschwierigkeiten sind dabei manchmal hinderlich.

„Sie versteht schon das meiste, was ich sage. In vielen Situationen würde ich allerdings gerne mehr erklären, das würde dann aber überfordern. Das ist schon schade“, erzählt Nicole Rolfes. Florina ist ihre erste Fahrschülerin, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache hat, dabei habe sich Florinas Deutsch seit Beginn schon deutlich verbessert. Dennoch hilft sich Rolfes durchgehend mit Handzeichen weiter. Das klappt längst nicht mit allen Schülern. Für Fahrlehrer seien solche Fälle eine zusätzliche Herausforderung in einem ohnehin anstrengenden Beruf, wie Rolfes Kollege Dirk Mammen sagt. „Versuchen Sie mal, einem etwas zu erklären, der kein Deutsch versteht – und das nicht am Schreibtisch, sondern im fahrenden Auto.“ Das könne schnell gefährlich werden.

Fahrschüler mit wenig Deutschkenntnissen habe es immer schon gegeben, sagt Mammen. „Gestört hat mich das nie. Das haben wir immer hingekriegt, notfalls mit Englisch“, stellt er klar. Er betont aber auch, dass seine Fahrschule im Gegensatz zu früher solche Fahrschüler, bei denen im Erstgespräch klar wird, dass sie kein Deutsch verstehen, nicht mehr aufnehme.

„Die Theoriestunden sind in der Regel kein Problem“, sagt Mammen. Die Lern-App, die die klassischen Fragebögen ersetzt hat, ist in mehreren Sprachen erhältlich, auch auf Hocharabisch. „Viele Schüler mit Asylhintergrund bringen Freunde oder Verwandte mit, die für sie übersetzen“, so Mammen, der im Unterricht auf die Dolmetscher Rücksicht nimmt.

Bei den praktischen Fahrstunden werden Sprachbarrieren jedoch mitunter zu unüberbrückbaren Problemen. „Das bringt keinem was: Wenn einer sprachlich nicht versteht, wie man das Licht anmacht, brauche ich mit dem gar nicht erst auf die Autobahn zu fahren“, so Mammen. Die nervliche Belastung sei bei Fahrlehrern extrem hoch. Und auch für die Fahrschüler sei es wenig sinnvoll, Fahrstunden zu nehmen, wenn sie zu wenig Deutsch verstünden.

Das zeige sich spätestens bei der praktischen Prüfung: „Der TÜV ist deutlich strenger geworden. Wenn ein Schüler bei der Abfahrtkontrolle die Fragen nicht versteht oder nicht beantworten kann, fällt er sofort durch.“ Dolmetscher mit ins Auto zu nehmen, hält Mammen für keine gute Idee: „Bei der Prüfung dürften die ja auch nicht dabei sein.“

Deshalb schicken Mammen und seine Kollegen Fahrschüler, die noch zu wenig Deutsch können, erst einmal in einen Deutschkursus: „Wir arbeiten hier eng mit VHS und dem Katholischen Bildungswerk zusammen – und das funktioniert gut“, findet Dirk Mammen. Sobald es dann besser klappt mit dem Deutsch, nimmt die Fahrschule gerne jeden auf. „Am Ende ist das für uns weniger anstrengend – und für Fahrschüler weniger frustrierend.“

Nathalie Meng
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003
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