BöSEL - Böseler Chroniken sind sehr lückenhaft. Die Gemeinde sucht daher stets nach Dokumenten und Fotos zu alten Gebäuden, die diese Lücken schließen.
Von Thomas Haselier
BÖSEL - Die Reihe historisch bedeutender Häuser in Bösel ist nicht gerade lang, zumal die Gemeinde mit 131 Jahren nicht gerade alt ist. Da fällt ein 100-jähriges Bestehen eines Gebäudes schon besonders ins Gewicht. 100 Jahre alt wird in diesem Jahr das ehemalige Lehrerhaus an der Ecke Eichendorffstraße/Mörickeweg, heute in Besitz des Ehepaars Gustav und Laura Ahlers.Die Geschichte von einzelnen Gebäuden in Bösel zu dokumentieren, ist nicht ganz einfach. Denn eine richtige Chronik für die Gemeinde gab es in der Vergangenheit nicht. Die meisten Informationen stammen aus Erinnerungen aus der Kindheit alter Böseler. Über das Lehrerhaus in Bösel ist nur so viel bekannt, dass es 1906 gebaut und 1907 bezogen wurde. Dem vorausgegangen war eine mehr oder min der heftige Debatte über eine eigene einzügige Schule im Böseler Ortsteil Osterloh, die von den Einwohnern der Bauernschaft bei der Behörde beantragt worden war. Zeitgleich hatte aber die Gemeinde Bösel den Bau einer Dienstwohnung für den verheirateten Nebenlehrer Anton Behnke beantragt. Die Schulbehörde entschied sich für den Bau der Lehrerwohnung und gegen den Bau der Schule in Osterloh mit der Begründung, zu wenig Kinder in Osterloh, keine Entlastung für die Schule in Bösel und eine zumutbare Entfernung von Osterloh bis nach Bösel.
Man kaufte ein Grundstück in der Größe von etwa fünf Scheffelsaat (was etwa 5000 Quadtratmetern entsprach) an der Bahnhofstraße von dem Friesoyther Besitzer Franz Bitter. 1907 wurde die Wohnung das erste Mal bezogen. Wer danach wann in das Haus einzog, ist nicht überliefert. Feststeht nur, dass Nebenlehrer Anton Behnke ins Wohnhaus an der Fladderburger Straße umzog, als er zum Hauptlehrer aufstieg. Danach verlieren sich sich Informationen über die weitere Nutzung des Hauses an der Lehrerhauses.
In den 50er-Jahren wurde ein Stall angebaut, wo Schweine und Hühner gehalten wurden. Später wurde das Haus bis in die 70er-Jahre als Unterkunft von der Gemeinde Bösel an sozialschwache Familien vermietet. In dieser Zeit wurde wenig an der Bausubstanz getan. 1974 verkaufte die Gemeinde unter Federführung des damaligen Gemeindedirektors Hans Lamping das Haus an die Eheleute Gustav und Laura Lamping. Sie sanierten das Gebäude „sanft“ und Stück für Stück, ohne seinen typischen Charakter zu verändern. Heute ist es eines der wenigen alten baulichen „Schmuckstücke“ im Zentrum von Bösel.
Bösels Bürgermeister Hermann Block hofft darauf, dass es noch viele dokumentarische Schätze in den Wohnstuben alter Böseler gibt wie etwa Bilder oder Urkunden, die etwas über Böseler Gebäude und ihre Geschichte verraten. Hinweise nimmt Josef Runden, 04494/8917, entgegen.
