Bösel - „Ganze Siedlungen und Ortsteile werden beschnitten und der Arbeits- und Lebensraum den dort lebenden Menschen genommen.“ Die Gemeinde Bösel hat bei einer Gegenstimme von Hans-Jürgen Küther (CDU) in der Ratssitzung am Montag eine Stellungnahme der Gemeinde gegen den Entwurf zur Novelle des Landesraumordnungsprogramms verabschiedet. „Die Hochmoorsiedlungen Hülsberg und Ostland und auch die Ortschaft Overlahe werden mit der Vorrangeinräumung für Torferhaltung und Moorentwicklung von der Landkarte verschwinden“, heißt es.
Die Gemeinde wehrt sich gegen neue Vorschriften zur Siedlungsstruktur. Nach der LROP-Novelle soll „die Entwicklung von Wohn- und Arbeitsstätten auf die zentralen Orte und auf über den liniengebundenen ÖPNV angebundene Siedlungsgebiete konzentriert werden“. Bürgermeister Hermann Block glaubt, dann könnte nur noch der Hauptort Bösel entwickelt werden, Petersdorf würde nachrangig behandelt.
Eine Siedlungsentwicklung in Abstimmung mit dem Landkreis als Träger der Regionalplanung lehnt die Gemeinde mit dem Hinweis ab, damit würde den Kommunen die Fähigkeit zur weitsichtigen Ausübung ihrer Planungshoheit abgesprochen.
Bezüglich der Streichung von Vorrangflächen für den Torfabbau stellt die Gemeinde die Frage nach der Sinnhaftigkeit, da im Moor Methan freigesetzt würde, das etwa 20 bis 25 Mal so klimawirksam sei wie Kohlenstoffdioxid. Zudem sei die Gemeinde durch Naturschutzgebiete – 18 Prozent des Gemeindegebietes – eh in der Entwicklung deutlich eingeschränkt. Im Bereich des Naturschutzgebietes 270 Vehnemoor seien bewusst die Siedlungsbereiche Hülsberg und Ostland außen vor gelassen worden, um den hier angesiedelten Menschen eine wirtschaftliche Perspektive zu bieten. Die Umsetzung der Wiedervernässungsplanungen bedeuteten für die Landwirte eine „existentielle Bedrohung“. Ein begonnenes Gebietsentwicklungskonzept, durch das ihnen eine Folgenutzung von Torfabbauflächen ermöglicht würde, müsse fortgesetzt werden. In Hülsberg und Ostland im Bereich des Vehnemoors seien rund 70 Prozent gesandet oder gekuhlt worden, stünden damit für eine Wiedervernässung nicht zur Verfügung. Gestrichen werden solle das Vorranggebiet Torferhaltung und Moorentwicklung für den Bereich Overlahe, nicht realisierbar sei ein solches auch für das Richtemoor, weil es dort keine Moorauflage mehr gebe.
Zum Ende der Stellungnahme wird Landwirtschaftsminister Christian Meyer eingeladen, sich selbst ein Bild in den Hochmoorsiedlungen Hülsberg und Ostland zum machen.
