Bösel - „Die stehen gerne in Öl“, sagt Karl-Heinz Böhmer mit einem Lächeln. Werner Bosche und Karl-Heinz Miersch polieren am „Reparaturstützpunkt“ in Bösel Lok „Hendrik“. Mit einem Kompressor wird der Lüftungsfilter freigepustet, damit sie wieder einsatzbereit ist für die nächsten Fahrten. Der Museumseisenbahnverein Friesoythe-Cloppenburg, der sich 2003 gegründet hatte, fährt seit nunmehr zehn Jahren über die Strecke und bietet Kegelclubs, Vereinen oder Hochzeitsgesellschaften Gelegenheit für einen Ausflug der anderen Art.

„Alte Fahrzeuge für die Nachwelt zu erhalten“ – das sei das Ziel des Vereins, berichtet Karl-Heinz Böhmer. Die Genehmigung zum Betrieb der Strecke wurde 2006 erteilt. Zum ersten Mal ganz offiziell fuhren die Museumseisenbahner anlässlich der Friesoyther Maitage über die Strecke.

Von den fast 80 Mitgliedern des Vereins arbeiteten etwa 20 bis 25 aktiv mit, berichten Karl-Heinz Böhmer und Karl-Heinz Scholz, der Vorsitzende des Vereins. Und Arbeit gibt es genügend – sei es, um den laufenden Eisenbahnbetrieb sicherzustellen, sei es, um die historischen Fahrzeuge wieder auf Vordermann zu bringen. Einige der Umbauwagen müssen aufgearbeitet werden. Die Schöma-Lok, die die Eisenbahner aus Diepholz erhalten hatten, ist in den vergangenen Jahren aufwendig in Stand gesetzt worden und könnte auf der Strecke zwischen Cloppenburg und Friesoythe fahren. Alleine die Genehmigung durch die Landeseisenbahnaufsicht steht noch aus.

Der Salonwagen von 1923 ist bereits zweimal aufgearbeitet worden. Der gehörte zum Anfangsinventar – ebenso wie Lok „Klaus“. „Die könnte viel erzählen“, weiß Karl-Heinz Böhmer. Gerade bei Kindern steht Klaus, Baujahr 1943, hoch im Kurs. Für schwerere Arbeiten an der Strecke parkt der Zwei-Wege-Bagger auf dem Abstellgleis am Böseler Bahnhof. Der kann sowohl über die Gleise, als auch über die Straße fahren. Der Schwerkleinwagen steht zudem für Arbeitseinsätze bereit.

Und die gibt es regelmäßig. Im Winter werden Sträucher und Pflanzen zurückgeschnitten, im kommenden wieder in großem Stil, berichten die Eisenbahner.

Umso mehr ärgert Vandalismus. Denn damit haben sie – wie berichtet – verstärkt zu kämpfen: Die Scheiben an der kleinen Rangierlok sind noch immer kaputt. Die Schäden an den beiden Auwärter-Wagen sind so immens, dass sich die Museumseisenbahner gezwungen sehen, sie zu verkaufen. „Die gehen zurück in Richtung Stuttgart“, berichtet Karl-Heinz Scholz. Immer wieder werden mutwillig Fahrzeuge beschädigt, zuletzt zwei Mal am Bahnhof in Bösel – Taten, die die Eisenbahner ratlos machen. „Die Polizei macht einen guten Job“, sagt Karl-Heinz Böhmer. Ihn ärgert nur, dass die Verfahren im Anschluss zumeist eingestellt werden.

Erfreut ist man über den „Zuwachs“: eine Dampflok. Nur das nötige Geld für die Restaurierung fehlt noch.

Der Kesselwagen glänzt silbern in der Sonne. Der bekommt demnächst eine neue Achse. Die hatte Karl-Heinz Scholz (O-Ton Böhmer: „Ohne ihn würden wir ganz schön auf dem Schlauch stehen“) aus Klostermansfeld im Südharz bekommen. Der Austausch mit anderen Museumseisenbahn-Vereinen ist rege.

Über die Anlage in Bösel sind sie froh. Eine „Vision“ haben sie dennoch: eine eigene Unterkunft. Dort könnte dann auch der große Verteilkran aufgebaut werden, der neben den Gleisen liegt, schwärmt Vereinschef Scholz. Karl-Heinz Böhmer weiß: „Ohne Visionen könnte man das alles hier so nicht machen.“

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)