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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Brake

FAMILIENTRAGÖDIE: „Er war krank, die Hilfe kam zu spät“

05.01.2008

BRAKE Die Dinge sind nicht immer so wie sie scheinen – es ist ein Schlüsselsatz in der Geschichte „Erik im Zauberwald“. Es ist die Geschichte eines Holzfällers, den die Sorgen um seine Familie erdrücken und krank machen, der keinen Ausweg mehr weiß. Es ist die Geschichte über Jan-Peter Grotheer. Der sechsfache Familienvater ist am 26. November 2007 bei einem Polizeieinsatz in Golzwarden erschossen worden. Er hatte die Beamten mit einem Messer attackiert. Am zweiten Weihnachtstag wäre er 38 Jahre alt geworden, am 28. Dezember wurde er auf See bestattet.

Die Geschichte, geschrieben von Familienangehörigen, ist Trost und Mutmacher für Eva Grotheer und die sechs Kinder. Sie setzen sich zur Wehr gegen das Bild eines gewalttätigen Ehemannes und Vaters. Unterstützt werden sie dabei von Helmut Becker und Ute Mescheder. Die Sozialpädagogen kennen Jan-Peter Grotheer aus seiner Zeit in den Jugendwerkstätten Meyershof. Dort macht der 19-jährige, allein erziehende Vater von zwei Kindern 1989 seinen Hauptschulabschluss nach. „Er war nie jung“, sagt Becker. Das dritte Kind wird geboren, die Ehe scheitert, er lernt Eva, seine spätere zweite Frau kennen. Gemeinsam versuchen sie, ihr Leben zu gestalten und die Schwierigkeiten zu meistern.

Schwierigkeiten gibt es genug. Nach Schulabschluss und Berufsausbildung findet der junge Familienvater hier und da mal Arbeit, immer befristet. Die Zeit der Arbeitslosigkeit sieht er positiv, er nutzt sie intensiv für seine Kinder, sie sind sein ganzer Stolz. Die Arbeitslosigkeit führt schließlich zu Hartz IV, die finanziellen Sorgen werden größer, der Freundeskreis, der Verständnis für den Familienmenschen aufbringt, immer kleiner. Als der ältesten Tochter trotz eines guten Realschulabschlusses ein ähnliches Schicksal droht, wird die Verzweiflung übermächtig und endet in der Katastrophe. „Das war keine Gewalttat, sondern ein Aufschrei“, ist sich Ute Mescheder sicher.

Eva Grotheer beschreibt ihren Mann als fürsorglich und liebevoll, er habe für seine Familie immer das Beste gewollt. Die Angst um die Familie habe ihn verändert, hilflos verfolgt sie die Veränderung. Am 26. November steht plötzlich ein anderer Mensch vor ihr, diesen Blick in seinen Augen habe sie nie zuvor gesehen und habe ihr Angst gemacht, sonst hätte sie nie die Polizei gerufen. „Er war krank, aber die Hilfe kam zu spät“, sagt sie.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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