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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Brake

Vortrag: Rückkehr aus Moskau mit 614 Fotos

02.12.2016

Brake Professor Carstel Gansel sprach von „einer besonderen Ehre, endlich mal in Brake zu sein“. Viel habe er über die Stadt bereits gelesen, als er sich mit Heinrich Gerlach und seinen Büchern beschäftigte, vor Ort war er noch nie. Mit seinem Vortrag im Schifffahrtsmuseum fesselte er die Zuhörer, als er von Gerlachs Erlebnissen und seinen ganz eigenen Abenteuern berichtete.

Oberleutnant im Krieg

Die Geschichte beginnt aber lange bevor Gansel überhaupt geboren war: Heinrich Gerlach wurde 1939 zur Wehrmacht eingezogen und war zuletzt 1942/1943 als Oberleutnant bei Stalingrad eingesetzt. In der Schlacht von Stalingrad wurde er schwer verwundet und geriet in Kriegsgefangenschaft.

In dieser Zeit – von September 1943 bis Mai 1945 – schrieb er einen Roman, um seine Erlebnisse zu verarbeiten. „Die Hauptfigur in seinem Roman, Oberleutnant Breuer, ist das Alter Ego von Heinrich Gerlach und erzählt von dem Grauen bei Stalingrad und der Sinnlosigkeit des Krieges“, weiß Gansel, der sich als Literaturwissenschaftler seit mehr als 25 Jahren mit der Thematik beschäftigt.

Sein Manuskript rettete Gerlach durch viele Arbeitslager – erst 1949 wurde es entdeckt und vom russischen Geheimdienst beschlagnahmt. „Damit hat er gerechnet“, berichtet Gansel, „denn er hatte eine Miniaturschrift mit 16 Seiten angefertigt, die er einem Kameraden bei dessen Freilassung mitgab.“

Rückkehr ohne Buch

Aber auch diese wurde entdeckt und so kehrte Gerlach ohne Unterlagen 1950 nach Deutschland zurück. In Brake fand er eine Stelle als Gymnasiallehrer und zog mit seiner Frau und drei Kindern an die Weser. Sein Roman ließ ihm aber keine Ruhe. „Gerlach wollte einfach Zeugnis darüber ablegen, was er gesehen und erlebt hat“, so Gansel. Sämtliche Versuche, das Geschriebene zu rekonstruierten scheiterten aber. Erst durch Hypnose gelang es ihm, einzelne Episoden wieder ins Gedächtnis zu rufen. So entstand 1957 sein Bestseller „Die verratene Armee“.

„Auf den ersten Blick gibt es zwar viele Übereinstimmungen zwischen dem Original-Manuskript vom Mai 1945 und dem später herausgegebenen Buch. Bei genauerem Hinsehen finden sich in der zweiten Fassung aber mehr Fakten und auch der Zeitgeist der 50er Jahre ist deutlich zu spüren“, erklärt Gansel – und genau hier kommen seine eigenen Abenteuer ins Spiel.

„Die Schrift kenn’ ich“

Er hat Gerlachs Original-Manuskript mit dem Titel „Durchbruch bei Stalingrad“ bei seiner Recherche in einem Moskauer Archiv gefunden. „In so einer Situation muss man ruhig bleiben – auch wenn man im ersten Moment total aufgeregt ist“, erzählt er. Da er das Buch natürlich nicht einfach mitnehmen konnte, musste er sich schnell etwas einfallen lassen. „Ich bin dann mit 614 Fotos aus Moskau zurückgekehrt – so viele Seiten hat Gerlachs Roman.“

Seinen Vortrag ergänzte Gansel mit zahlreichen alten Fotos und Dokumenten, auch Notizen von Gerlach zeigte er. „Die Schrift kenn’ ich“, murmelten einige im Publikum – sahen sie diese doch als seine Schüler tagtäglich an der Tafel. Ausführlich und sehr detailliert berichtete Gansel von den Erlebnissen Gerlachs und erklärte die zum Teil komplexen Zusammenhänge aus heutiger Sicht. Auch für Fragen aus dem Publikum nahm er sich Zeit und lauschte den Erzählungen von Gerlachs Wegbegleitern.

Gloria Balthazaar Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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