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Aktualisiert vor 11 Minuten.

Unfall Bei Großenmeer
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NWZonline.de Region Bremen

„Die Wiedervereinigung kam zu schnell“

09.11.2019
Frage: Sie bieten Radtouristen aus Ost und West eine Unterkunft an. Als Dachgeber kommen Sie mit Ihren Besuchern ins Gespräch und erfahren viel über sie. Ist die Einheit geglückt, was meinen Sie?
Wolfgang Reich: Nein. Von außen betrachtet mag das so aussehen, aber im Inneren der Menschen sieht es anders aus. Was ist der Grund dafür?
Frage: Was ist der Grund?
Reich: Die Wiedervereinigung kam zu schnell. Sie hat die Menschen überrascht, und in die weitere Entwicklung konnten sich die Ostdeutschen kaum einbringen. Das führte zu einem Gefühl der Unterlegenheit; einige fühlen sich sogar unterworfen. Ich stelle immer wieder fest: Das Verhältnis Ost-West ist keines auf Augenhöhe. Die Einheit herzustellen, dauert deutlich länger als wir angenommen haben.
Frage: Aber bei Ihnen hat es doch ganz gut geklappt...
Reich: Ich bin 1964 aus der DDR geflüchtet; die Wende ist nicht über mich hereingebrochen, sondern ich war selbst der Motor der Veränderung. Ich bin sozusagen ins Wasser gesprungen und habe mich aus eigenem Antrieb freigeschwommen. Das ist etwas anderes.
Frage: Ihre persönliche Geschichte haben Sie bereits mehrfach öffentlich erzählt. Demnach sind Sie 1964 – drei Jahre nach einem gescheiterten Fluchtversuch Ihrer Familie – auf eigene Faust als „Sperrbrecher“ durch Stacheldraht und Minenstreifen geflohen. Einer Diktatur entkommen zu wollen, ist nachvollziehbar, aber warum haben Sie einen solch riskanten Weg gewählt?
Reich: Ich war noch jung damals, erst 17 Jahre alt. Ich hörte von einem Pärchen, das an der Grenze im Südharz an einer Stelle ohne Minen abgehauen ist. Das brachte mich auf die Idee. Der Harz ist bergig und steinig, da kann man bestimmt keine Minen verbuddeln, dachte ich. Ich habe den Staatsfeiertag der DDR gewählt, weil da sicher alle frei haben und feiern würden – auch die Soldaten an der Grenze. Das zu denken, war sehr naiv. Das weiß ich heute, aber damals habe ich mein Moped im Wald abgestellt und bin in Richtung Westen gelaufen.
Frage: Welche Gedanken schossen Ihnen auf den entscheidenden letzten Metern durch den Kopf?
Reich: Über Stunden war niemand zu sehen, also bin ich irgendwann einfach losgelaufen. Durch den ersten Stacheldrahtzaun kam ich noch sehr gut. Dann stand ich vor einem zweiten Zaun, diesmal aus Maschendraht. Mit einer Steighilfe unter den Schuhen konnte ich auch den erklimmen, muss dabei aber ein Signal ausgelöst haben. Denn plötzlich hörte ich durch den Nebel: „Halt, stehenbleiben – Grenzschutz der DDR“. Das war der entscheidende Moment für mich da oben auf dem Zaun. Ich dachte, entweder gebe ich jetzt auf oder ich ziehe mich rüber. Ich tat Letzteres.
Frage: Ihre Flucht glückte. Sie machten Abitur, studierten, fuhren mit dem Fahrrad um die Welt – Sie waren frei, während Ihre Eltern und Geschwister weiter hinter dem Eisernen Vorhang lebten. Hatten Sie Schuldgefühle?
Reich: Zunächst, ja. Kurz nach mir plante einer meiner Brüder die Flucht und flog auf. Er kam in U-Haft und sagte im Verhör, er wolle zu seinem Bruder in den Westen. Als ich davon erfuhr, hat mich das sehr getroffen. Es ging gut aus, er bekam Bewährung, aber dass es überhaupt dazu kam, habe ich mir zugeschrieben. Später löste sich das auf, denn ich habe den Kontakt immer gehalten. Nach der ersten Generalamnestie im Jahr 1972 fuhr ich das erste Mal wieder in die DDR. Seither habe ich meine Familie regelmäßig besucht, bis die Mauer fiel.
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