Bremen - 700 geladene Gäste haben am Mittwoch im Dom Abschied von Hans Koschnick genommen. Der Sozialdemokrat, Bürgermeister und Präsident des Senats von 1967 bis 1985 war am 21. April im Alter von 87 Jahren gestorben.

„Unser Herz ist voll Trauer um Hans Koschnick“, sagte Dompastorin Ingrid Witte während des Staatsaktes. „So viele Menschen sind gekommen. Das zeigt, wie wichtig Hans Koschnick uns allen gewesen ist.“

Neben Bundespräsident Joachim Gauck hatte Christine Koschnick, die Witwe, Platz genommen. Wegbegleiter Koschnicks aus dem In- und Ausland waren zu der Gedenkfeier angereist . Der Dom war von der Polizei abgesperrt, überall standen Sicherheitsbeamte. Ansprachen hielten neben Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), Janusz Reiter, Vorsitzender des Zentrums für Internationale Beziehungen und ehemaliger polnischer Botschafter, sowie Pawel Adamowicz, Stadtpräsident von Danzig.

In den 70er Jahren, mitten im Kalten Krieg, hatte Koschnick die Städtepartnerschaft von Bremen und Danzig auf den Weg gebracht – „erkämpft“, wie Reiter formulierte – und damit den Eisernen Vorhang mehr als nur ein klein wenig geöffnet.

Altkanzler Schröder sprach beim Staatsakt, nachdem SPD-Chef Sigmar Gabriel aus gesundheitlichen Gründen abgesagt hatte. „Die dankbare Erinnerung an Hans Koschnick wird weiterleben“, sagte Schröder. Koschnick sei ein „menschliches und politisches Vorbild“ gewesen. Die SPD habe mit ihm „wahrlich einen Ausnahmepolitiker verloren“: „Er war schon zu Lebzeiten eine sozialdemokratische Legende.“ Gegensätze überwinden, Versöhnung zu stiften – das sei seine „große Gabe“ gewesen, in Bremen wie in Mostar, in Danzig wie im israelischen Haifa.

„Wir verabschieden uns von einem großartigen Menschen“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling. Er erinnerte an Koschnicks Herkunft, die prägenden Jahre im Werftarbeiterstadtteil Gröpelingen, an den Widerstand der Eltern gegen die Nationalsozialisten. „Hans ist gerade vier Jahre alt, als der Vater verhaftet wird.“ Das Gemeinsame suchen, das Trennende überwinden – das seien Leitlinien gewesen, die Koschnick als 15-Jähriger von seinem Vater mit auf den Weg bekommen habe. Sieling erinnerte an die Ansiedlung des Mercedes-Werks in Bremen und des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven. Und an die bittere AG-„Weser“-Schließung, die nicht verhindert werden konnte.

„Hans Koschnick war ein ungewöhnlicher Mensch mit einer ungewöhnlichen Frau“, so Rita Süssmuth. Auch in schwierigen Situationen habe er den Menschen die Wahrheit gesagt. Süssmuth würdigte zudem Koschnicks Engagement für die Aussöhnung mit Polen. Er sei „ein Wegweiser“ gewesen.

„Hans Koschnick hat sich zu einer Lebensaufgabe gemacht, das Verbindende zwischen Polen und Deutschland möglich zu machen“, sagte Janusz Reiter. Er sei ein „leidenschaftlicher Verfechter der Versöhnung“ gewesen. Pawel Adamowicz aus Danzig sagte: „Hans Koschnick war immer bei uns, besonders in schweren Momenten.“

Pastor Renke Brahms, leitender Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche sagte: „Ein großer Bremer, ein aufrechter Hanseat, ein Brückenbauer, ein Kämpfer für Frieden, Europa und Bremen, ein Friedensstifter.“