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NWZonline.de Region Bremen

„Am Abend hilft auch der gewahrte Schein nicht“

14.07.2007

BREMEN Die Zahl der weiblichen Obdachlosen in Bremen steigt seit einigen Jahren. Das ist die Erfahrung, die Willi Albers gemacht hat. Er ist stellvertretender Bereichsleiter der Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission und schätzt den Frauenanteil der Bremer Obdachlosen auf rund 20 bis 25 Prozent.

Vor zehn Jahren noch seien Frauen länger in Beziehungen geblieben, die ihnen nicht gut taten, um nicht obdachlos zu werden. Auch bei Freunden und Bekannten seien sie früher häufiger untergekommen – nicht selten mit der stillschweigenden Abmachung: Unterkunft gegen Sex. Doch wieso sind auch heute so wenige weibliche Obdachlose auf der Straße zu sehen?

Stefanie Schmidt (Name von der Redaktion geändert) war selbst wohnungslos, kurz hat die 46-Jährige auch auf der Straße gelebt. „Man versucht sich so zu pflegen, dass es keinem auffällt“, sagt sie. Die ganze Zeit sei sie auf der Suche nach kostenlosen Toiletten gewesen oder einer Möglichkeit, sich zu waschen. Doch am Abend half auch der gewahrte Schein nicht mehr und Marion musste die Nächte dort verbringen, wo viele Frauen im Dunkeln nicht einmal mehr alleine spazieren gehen. „Wenn man im Bürgerpark schläft, können schlimme Dinge passieren. Man wird vielleicht nicht gerade umgebracht, aber . . .“, erzählt sie und stockt. Im Obdachlosenbereich gebe es viel Gewalt gegen Frauen, bestätigt Albers. Und eben „Angebote von Männern“, wie Stefanie Schmidt es bezeichnet. Darauf habe sie aber verzichtet. „Man hätte vor sich das letzte bisschen Achtung verloren“, stimmt ihr die 52-jährige Angelika Maier (Name von der Redaktion geändert) zu. Sie hat ein Jahr lang obdachlos in ihrer Heimat

in Ostfriesland gelebt, bevor sie nach Bremen und dort zur Inneren Mission kam.

Psychische Probleme sind bei Frauen ein häufiger Auslöser für die Obdachlosigkeit, sagt Albers. Auch Stefanie Schmidt verlor ihre Wohnung, weil sie unter Depressionen litt. Sie beschreibt ihre Unfähigkeit, aktiv zu werden: „Es war klar, dass ich aus der Wohnung raus musste, weil sie renoviert wurde. Aber ich habe die Sachen treiben lassen.“ Nachdem der Freund, bei dem sie untergekommen war, an den Folgen seiner Alkoholsucht gestorben war, lebte sie kurz auf der Straße und nun in der Übernachtungseinrichtung für Frauen der Inneren Mission. Sie ist froh über dieses Angebot: „Ich wollte nicht in eine Pension, in der nur Männer sind, die trinken – mit allen Folgeerscheinungen.“

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