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NWZonline.de Region Bremen

Asylbewerber am Lehrerpult

01.04.2016

Bremen Khaled Mohammad schreibt eine Bruchrechnung an die Tafel. Eine Schülerin beginnt, diese Schritt für Schritt aufzulösen. Doch dann kommt sie nicht weiter. „Was ist vier geteilt durch zwei?“, fragt der Lehrer sie. Sie schreibt die Lösung an die Tafel. „Perfekt“, lobt Mohammad. Eine Szene aus einer Mathestunde. Ungewöhnlich ist jedoch, dass sich die Schüler quasi darum reißen an die Tafel zu dürfen.

Und ungewöhnlich ist auch der Lehrer: Mohammad ist Asylbewerber, genau wie die Kinder in seiner Klasse. Einmal die Woche gibt er ihnen an der Neuen Oberschule in Gröpelingen zusätzlichen Unterricht in Mathe, denn wegen sprachlicher Probleme fällt es ihnen schwerer, dem Stoff zu folgen. Mohammad geht diesen mit ihnen noch einmal durch und bespricht die Hausaufgaben – in Arabisch, Kurdisch, Persisch und Deutsch.

Möglich macht das ein Pilotprojekt der Universität Göttingen, das aus Syrien geflohene Lehrer stundenweise an Schulen in Bremen und ab April auch in Niedersachsen Flüchtlingskinder unterrichten lässt. Das Ziel: „Wir wollen ein differenziertes Fortbildungsangebot für geflüchtete Lehrer erarbeiten“, sagt die Kulturwissenschaftlerin Jasmina Heritani, die das Projekt wissenschaftlich begleitet. Regelmäßig besucht sie die Lehrer im Unterricht, dokumentiert mit Videos wie sie arbeiten und bespricht diese danach mit ihnen. Mit dem Projekt will sie herausfinden, welche pädagogischen und fachlichen Kenntnisse die Teilnehmer bereits besitzen und was ihnen fehlt, um als reguläre Lehrkräfte arbeiten zu können. Daraus soll später ein Ausbildungsprogramm entstehen.

An der Uni Potsdam startet ein solches Programm bereits zu diesem Sommersemester. „Refugees Teachers Welcome“ will geflüchteten Lehrern einen Einblick in das deutsche Schulsystem geben. Dafür lernen die Teilnehmer erst ein halbes Jahr lang intensiv Deutsch.

„Die Flüchtlingskinder können jetzt auch unabhängig von der Sprache fachbezogene Fortschritte machen“, sagt die Direktorin der Neuen Oberschule in Gröpelingen, Sabine Jacobsen. Dass er selbst geflohen sei und jetzt in Deutschland unterrichten dürfe, mache den Kindern Mut. Dreimal die Woche hilft Mohammad Schülern der 6., 7. und 8. Klasse in Mathematik. „Ich freue mich, wieder in meinem Beruf arbeiten zu können“, sagt Mohammad.

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