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NWZonline.de Region Bremen

Jakobushaus: Auf dem Zeltplatz ins Abseits gestellt

17.10.2013

Bremen Bulgaren und Rumänen dürfen als EU-Bürger innerhalb Europas reisen, wohin sie wollen – auch nach Deutschland. Aber nur wenige dürfen hier arbeiten oder dauerhaft bleiben. Einige haben Arbeitsverträge mit Subunternehmern deutscher Firmen zu Stundenlöhnen von unter fünf Euro auf Baustellen oder in Schlachthöfen. Die meisten kommen ohne eine Arbeitserlaubnis – bittere Armut treibt sie hierher. In Deutschland erwartet sie nicht selten die Obdachlosigkeit, denn ohne eine Arbeit haben sie keinerlei Anrecht auf Sozialleistungen. In Bremen leben einige von ihnen daher in Zelten, versteckt unter Büschen und Bäumen am Bahndamm vor dem Jakobushaus.

Bertold Reetz, Leiter der Wohnungslosenhilfe der Inneren Mission, kennt die „Camper“. Er arbeitet im Jakobushaus, wo sich die Notunterkunft und das Übergangswohnheim für wohnungslose Männer befinden. „Was unser Innenminister über diese Menschen sagt, ist absoluter Quatsch“, sagt er. Damit meint er das von Hans-Peter Friedrich (CSU) kolportierte Bild von Armutsmigranten, die nur herkommen, um das Sozialsystem zu schröpfen: „Die Menschen wollen arbeiten und für ihr Leben aufkommen“, sagt Reetz. Bloß: Viele dürfen nicht, „und sie dürfen auch nicht dauerhaft im Jakobushaus unterkommen.“

Nur ein paar Nächte in der Notunterkunft sind erlaubt. Die zeltenden Männer kämen zum Essen, Duschen und Aufwärmen ins Haus, „aber im Winter geht das doch nicht, da wird es einfach zu kalt“, sagt Reetz. Im vergangenen Winter hat die Innere Mission den Tagestreff „Jakobustreff“ mit Isomatten und Schlafsäcken bestückt: „Hier durfte jeder übernachten, ohne sich registrieren zu müssen.“

Ein wichtiger Aspekt, denn wer nach dreimonatigem Aufenthalt keinen Job oder den „Nachweis ausreichender Existenzmittel“ hat, der kann des Landes verwiesen werden. Allerdings: „Der Ansturm, mit dem wir gerechnet haben, ist ausgeblieben – vielleicht sind ja einige Menschen über den Winter nach Hause gefahren.“

Oder sie haben Unterschlupf bei Freunden gefunden – so wie diejenigen, die in Bremerhaven leben. Dort nämlich, sagen Sozialamtsleiterin Astrid Henriksen und die Mitarbeiter des „Beratungsbüros für EU-Zuwanderer“, sei nichts bekannt über obdachlose Rumänen oder Bulgaren.

Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus scheuten allerdings oft Beratungsstellen. „Deswegen“, sagt Henriksen, „haben wir das Büro auch nicht bei der Sozialbehörde angesiedelt, sondern bei der Arbeiterwohlfahrt.“ „Rückkehrhilfen“, so wie bei der Hamburger „Anlaufstelle für Osteuropäer“, gebe es dort nicht: „Wir wollen den Menschen bei ihrem Leben in Deutschland helfen“, sagt Welt, „nicht dabei, Deutschland zu verlassen.“

Ab Januar 2014 genießen Rumänen und Bulgaren volle Freizügigkeit innerhalb der EU – jeder darf dann eine Arbeit aufnehmen. „Auch ab Januar bekommt niemand einfach so Sozialleistungen“, sagt Reetz. Wer einen 450-Euro-Job oder gar keine Arbeit hat, der muss auch dann schauen, wo er bleibt – und sei es in einem Zelt vor dem Jakobushaus.

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