[AUTOR] - Sie ist das Herzstück des „Deutschen Schiffahrtsmuseums“ (DSM) in Bremerhaven – die Bremer Hansekogge von 1380. Bei Baggerarbeiten zur Erweiterung der Weser war sie 1962 gegenüber dem Überseehafen aufgetaucht. Der spektakuläre Fund wurde zum Anlass für die Gründung des DSM. Über Jahrzehnte haben Forscher die Kogge dort konserviert. Und noch immer sind die Wissenschaftler damit beschäftigt, sie stabil zu halten. Die Fachleute bereiten eine neue Präsentation der Kogge vor. Hans-Walter Keweloh ist zuversichtlich, dass die Besucher das historische Handelsschiff noch vor seiner Pensionierung wieder richtig sehen können.
Seit Jahren beschäftigt sich der Volkskundler – als Chef der DSM-Forschungsabteilung Hanse und Mittelalter – mit dem für die internationale Schifffahrtsgeschichte herausragenden Fund. Bis zum Jahr 2013 soll das 23 Meter lange Hanse-Frachtschiff wieder „mit allen Facetten über 600 Jahre alter Schiffbaukunst“ zu sehen sein. Und: Zweifel an dieser Kunst der Werftarbeiter vor 630 Jahren habe Keweloh nicht, wohl aber Zweifel an der Solidität des damaligen Reeders. Das Schiff nämlich wurde aus astigem Eichenholz von der Oberweser gebaut. Es bekam noch auf der Werft Windrisse und Lecks, so dass der Neubau schon mit „Flicken“ vom Stapel lief und prompt sank.
Der Fund zwang – und zwingt – die DSM-Wissenschaftler zur Pionierarbeit. Es galt unter anderem, eine Methode zu finden, 600 Jahre altes Eichenholz so zu konservieren, dass es stabil bleibt. Die Kogge kam jahrelang in ein Konservierungsbad aus Polyethylenglykol. Es wirkte. Nur bei der Präsentation kam es zu Problemen. Der Einfall, die 30 Tonnen schwere Kogge nach dem Bad quasi unter die Decke zu hängen, führte vor nunmehr sieben Jahren dazu, dass sie einen „Bauch“ bekam – also nach unten sackte.
Keweloh: „Fast 30 Zentimeter war der Rumpf gestaucht. Wir haben das mit Spannschrauben binnen eines Tages zurückgedreht. Jetzt hat die Kogge wieder ihre Urform und wir wissen, wie wir sie künftig sicher aufstellen.“
Die Idee, den Koggenrumpf in eine Außenschale zu stellen, wurden schnell verworfen. Die Museumsbesucher könnten dann das Holz ja nicht sehen. Also wird jetzt ein Edelstahl-Netz gebaut – praktisch ein Korb, an den die Hölzer geheftet werden.
