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NWZonline.de Region Bremen

Opferrente für Angehörige nach Axtmord: Frau aus Bremen bekommt Entschädigung für erlittenen Schock

02.02.2021

Bremen /Celle Mehr als 16 Jahre nach einem Gewaltverbrechen hat die Angehörige des Opfers vor Gericht eine Entschädigung für den erlittenen Schock erstritten. Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen gab der Klage einer Frau aus Bremen auf Zahlung einer Opferrente statt, das Urteil wurde am Montag bekannt (L 10 VE 79/17).

Der Vater der Klägerin war zu Weihnachten 2004 von ihrem psychisch kranken Bruder mit einer Axt erschlagen worden. Die Frau erfuhr während eines Urlaubs auf Lanzarote telefonisch von der Tat. Sie erlitt einen schweren Schock mit Burn-out, ging aber zunächst nicht zum Arzt.

Antrag auf Opferrente

Erst sechs Jahre später beantragte die Frau eine Opferrente. Sie habe sich nicht behandeln lassen, weil sie sich mit dem Ereignis aus Scham nicht auseinandersetzen wollte und versucht habe, das Trauma zu verdecken. Sie habe sich jedoch aus Angst und Minderwertigkeitsempfinden aus ihrem sozialen Umfeld zurückgezogen. Aus Furcht vor einem ähnlichen Ereignis habe sie ihre Wohnung in eine regelrechte Festung verwandelt.

Das Versorgungsamt lehnte den Antrag ab, da keine psychischen Störungen mit Tatbezug dokumentiert seien und keine adäquate ärztliche und psychotherapeutische Behandlung erfolgt sei. Außerdem gäbe es keinen Nachweis für einen Schock durch den Anruf. Ein Schockschaden und eine posttraumatische Belastungsstörung lägen daher nicht vor.

Landessozialgericht erkennt Trauma an

Das Landessozialgericht erkannte die posttraumatische Belastungsstörung hingegen an. Zur Begründung führte es aus, dass auch sogenannte Sekundäropfer in den Schutzbereich des Opferentschädigungsrechts einbezogen würden, wenn die psychischen Auswirkungen eng mit der Gewalttat verbunden seien. Dies sei im Falle der Klägerin anzunehmen.

Das Gericht holte ein umfassendes medizinisches Gutachten ein, nach dem alle Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung bei der Frau vorlagen. Sie habe auf die Mordnachricht mit Angst, Hilflosigkeit und Entsetzen reagiert. Sie erlebe das Ereignis immer wieder und zeige das typische Vermeidungsverhalten auch bei langem Ignorieren der Symptomatik. Dass die Frau sich lange nicht behandeln ließ, spräche auch nicht gegen eine posttraumatischen Belastungsstörung, sondern sei vielmehr deren Ausdruck.

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