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NWZonline.de Region Bremen

Billigfleisch soll bald vom Tisch sein

19.05.2016

Bremen  Kann man das Billigfleisch aus Bremens öffentlichen Kantinen verbannen? „Das ist machbar.“ Zu dieser Einschätzung kamen gleich mehrere Experten, die bei einer Anhörung der Gesundheitsdeputation befragt wurden. Auf die parlamentarische Tagesordnung gesetzt haben das Thema mehr als 5000 Bremer, die einen Bürgerantrag des Agrarpolitischen Bündnisses Bremen (ABB) unterschrieben haben.

Das verlangt ein Konzept, mit dem Bremen bis 2020 die gesamte öffentliche Gemeinschaftsverpflegung auf „nachweislich artgerechte Tierhaltung“ umstellt. Und zwar in allen – stadtweit nur noch privat geführten – Kantinen, Kitas, Krankenhäusern, Schulen und Mensen. Michael Thun von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung schätzt die Mehrkosten in den Schulen pro Kind auf etwa acht Euro im Monat – wenn man den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) folge, der 80 Gramm Fleisch pro Woche und Schüler vorsieht.

Ein Biofleisch-Anteil von bis zu 25 Prozent hält Thun für „leicht erreichbar“, weil er „nicht kostenwirksam“ sei. Zugleich fordert der gelernte Koch und Lehrer „verschiedene Begleitmaßnahmen“ – zum Beispiel, dass in den Schulen das Essen möglichst frisch gekocht wird. Derzeit werden laut Thun in Bremens Schulen etwa 3,2 Millionen Essen pro Jahr ausgegeben. Auf Billigfleisch zu verzichten sei „im wesentlichen eine Sache der Schulung“, sagt Susanne Bastin von der Schulküche der Freien Waldorfschule Bremen-Osterholz.

Von der Initiative betroffen sind laut ABB täglich 50 000 Tischgäste. Zu den Unterstützern gehört auch der emeritierte Tierpathologe Siegfried Überschär, Sprecher der Tierärzte gegen Massentierhaltung. „Massentierhaltung macht krank“ lautet sein Credo – gleichermaßen Mensch und Tier und Umwelt.

Ernährungswissenschaftler Uwe Knop sieht „keinen Beweis“ dafür, dass Biofleisch gesünder ist als so genanntes Billigfleisch. Die Einteilung in gesundes und ungesundes Essen hält er für „sinnlos“. Bei dem Bürgerantrag geht es nach Knops Meinung deshalb „um keine gesundheitliche, sondern eine ethisch-moralische Frage“.

Sollten die Forderungen der ABB vom Parlament unterstützt werden, wäre Bremen die erste Stadt Deutschlands mit einer offiziellen „Billigfleischbremse“.

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