BREMEN - Die Dunkelziffer ist hoch, weiß man beim Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen. Um für die Gefahr zu sensibilisieren, startet der Verein gemeinsam mit der Polizei eine Präventionskampagne. Die Flyer, Postkarten und Plakate werden seit Mittwoch verteilt.
Und das soll nicht alles sein: Gleichzeitig wurde ein Kreativwettbewerb zum Thema K.o.-Tropfen ins Leben gerufen. Die beste Idee wird zum Kartenmotiv und mit den beiden anderen verteilt; für die drei besten Vorschläge gibt es wertvolle Preise. Ruth Jopert von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Am Wall: „Wir möchten die Prävention verstärken, ohne Panik zu schüren.“ Denn auch, wenn das Phänomen öfter auftritt: In den vergangenen zwei Jahren gab es in Bremen nur einen nachgewiesenen Fall der Anwendung von K.o.-Tropfen. Zehn Frauen wandten sich wegen des Verdachts an die Polizei.
Doch die meist verwendete Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) ist nur sechs bis zwölf Stunden lang in Blut und Urin nachweisbar. Bis die Frauen nach dem Aufwachen realisiert haben, was mit ihnen passiert sein könnte, ist es oft schon zu spät dafür. Und bringt zusätzliche, überflüssige Gewissensbisse: „Die Opfer fühlen sich noch schlechter, wenn ein Beweis nicht möglich ist“, sagt Jopert. GHB ist zuerst als Vergewaltigungsdroge in homosexuellen Kreisen bekannt geworden. Insider gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.
Beim Verein Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen geben immerhin zwei von fünf Frauen an, unter den Einfluss bewusstseinsändernder Substanzen gesetzt worden zu sein. Dazu zählt auch Alkohol.
Werner Meyer, Leiter des K 32 (Fachkommissariat für Sexualstraftaten), sieht trotz geringer offizieller Fallzahlen ein vermehrtes Problembewusstsein. „Das Phänomen wird seit einigen Jahren wahrgenommen.“ Und deshalb fordert er: „Wir müssen auch die Polizisten damit vertraut machen.“ Damit sie richtig reagieren, wenn jemand den Eindruck erweckt, nicht mehr ganz bei sich zu sein.
Wer sich zum Beispiel an einem Ort wiederfindet, ohne zu wissen, wie er dort hingekommen ist und Verletzungen – zum Beispiel im Genitalbereich – hat, sollte sich an die Polizei oder den Verein Notruf ( 0421/151 81) wenden. Wie man sich gegen die Verabreichung von K.o.-Tropfen schützen kann, steht auch auf der Internetseite:
