BREMEN - Kalt war es gestern, am Morgen gelangt kaum ein Sonnenstrahl auf den Domshof. Soweit nichts Ungewöhnliches. Wenn da nicht eine junge Frau beinahe nackt in einem Käfig sitzen würde. Gemeinsam mit der Tierschutzorganisation „Peta“ protestiert die gebürtige Oldenburgerin Reena Poeschel, als Wildkatze verkleidet und auf dem kalten Stein sitzend.

Tenor der aufsehenerregenden Protestaktion: „Wildtiere gehören in die Freiheit – nicht in den Zirkus“. „Peta“ möchte erreichen, dass auch Bremen ein Wildtierverbot auf städtischer Fläche ausspricht und Zirkusse mit exotischen Tieren keine Spielerlaubnis mehr bekommen.

Also harrt die Tierschützerin – nur mit ein paar Stofffetzen bekleidet – in der Kälte aus. „Ich sitze freiwillig hier und kann nach einer Stunde ins Warme gehen, die Tiere haben diese Wahl nicht“, sagt sie. Bei „gefühlten null Grad“ versucht die junge Tierrechtlerin, Wildtieren eine Stimme zu verleihen. Viele Menschen gehen achtlos vorbei, fühlen sich vom Verteilen der Fyler belästigt.

Bei anderen findet die Protestaktion von Poeschel und ihren Mitstreitern Gehör: „Ich habe mich schon vor 20 Jahren mit diesem Thema auseinandergesetzt“, sagt Ingo Wieck. Und seine Begleiterin Romy Ribian stimmt ihm zu: „Solche Tiere gehören einfach nicht in den Zirkus.“ „Mehrere Dutzend“ von rund 400 Zirkussen in Deutschland würden mit Wildtieren arbeiten, sagt „Peta“-Sprecher Stefan Klippstein. Zwar sei Bremen von „Peta“ gerade erst zur „tierfreundlichsten Stadt 2010“ gekürt worden, „in Sachen Wildtierverbot ist man hier aber noch nicht so aktiv“.

Einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge finden zwei Drittel der Befragten Elefanten, Tiger & Co im Zirkus nicht zeitgemäß. Die Folgen der Zirkus-Haltung reichten von Verhaltensstörungen bis zu Depressionen, so „Peta“.