BREMEN - Mit einer Feier wurden sie der Öffentlichkeit übergeben. Angehörige der Ermordeten haben auch teilgenommen.

Von Jörg Esser

BREMEN - Ein Dutzend neuer „Stolpersteine“ sind jetzt in Findorff in den Fußweg gesetzt worden. Vor dem Haus in der Admiralstraße 23 erinnern die mit Messingplatten versehenen Betonquader an zwölf Menschen aus den jüdischen Familien Rennberg, Neublum und Haas, deren Leben von den Nazis in Minsk und Auschwitz ausgelöscht wurden.

Ein Enkel des Bremer Juden Siegfried Rennberg war jüngst bei einem Besuch in Bremen auf andere „Stolpersteine“ des Kölner Bildhauers Gunter Demnig aufmerksam geworden und wandte sich an die Bremer Projektgruppe. Jetzt sind Fakten geschaffen worden. Mit einer Gedenkfeier wurden die Quader der Öffentlichkeit übergeben. Mit dabei waren Rolf Meyer und weitere Familienmitglieder. Für die musikalische Umrahmung sorgten der Amerikaner und Multiinstrumentalist Willy Schwarz vom Bremer Immigrantenorchester sowie die Bremer Chorwerkstatt.

Die zwölf Gedenksteine erinnern an Siegfried Rennberg, seine Tochter Bertha Neublum, deren Kinder Ruth, Siegfried und Albert, an Kurt Neublum sowie an Bernhard, Helene, Fritz, Ruth, Moritz und Sophie de Haas.

Anfang der 1920er Jahre war der jüdische Viehhändler Siegfried Rennberg mit seiner Frau Minna, Sohn Hermann und den Töchtern Elly und Bertha von Wildeshausen nach Bremen umgezogen. Im Jahr 1938 mehrfach verhaftet und im Konzentrationslager, flüchtete er 1939 nach Brüssel. Ein Jahr später folgte ihm seine Frau Minna in das Exil. In Brüssel geriet er dann in eine Razzia, wurde deportiert und in Auschwitz ermordet. Seine Frau konnte dank einer belgischen Untergrundbewegung in Belgien überleben.

Siegfried Rennbergs Sohn Hermann emigrierte 1938 nach Paraguay wie kurz danach auch der Schwiegersohn Erich Neublum, verheiratet mit der Tochter Bertha. Alle Pläne Erich Neublums, seine Frau Bertha und die Kinder Siegfried, Albert und Ruth nachzuholen, scheiterten. Sie wurden 1941 in das Ghetto Minsk deportiert, wo sie im Winter 1941/42 an Hunger, Kälte und Krankheit zugrunde gingen oder im Sommer 1942 Opfer einer Massenerschießung wurden.

In Bremen sind bislang rund 150 „Stolpersteine“ verlegt worden. Insgesamt hat der Bildhauer bereits 9000 Steine in rund 190 Städten und Ortschaften in Deutschland, Österreich, Italien und den Niederlanden „in den Steinboden gepflanzt“.