BREMEN - BREMEN /GN - Mehrfach fielen gestern im Bremer Rathaus Schüsse. Wer zufällig am Domshof an dem historischen Gebäude vorbeiging, erschrak. Die Mitarbeiter hingegen blieben völlig gelassen, denn gefährlich waren die Schüsse nicht.

Im Rathaus wurde zwar keine neue „Tatort“-Folge gedreht, aber filmreif war die Szenerie allemal. Verursacher der Knallerei war nämlich der 86-jährige Hermann Lüdeke. Oder besser gesagt, seine Frau Eva. Dieser hatte Hermann Lüdeke die Schüsse mit einem Trommelrevolver aus dem Jahr 1951 überlassen. Beherzt drückte sie ab, während ihr Ehemann alles dokumentierte. Sein Handwerkszeug war auch nicht viel jünger: Ein Magnetophonkoffer, der schon vor einem halben Jahrhundert bei Radio Bremen im Einsatz war. Die Lüdekes waren zu Schallmessungen ins Rathaus gekommen. Während der Sommerferien soll nämlich der 1905 erbaute Sitzungssaal eine verbesserte Akustik bekommen.

„Hermann Lüdeke galt und gilt noch immer als hervorragender Fachmann in Sachen Akustik“, so am Nachmittag ein Sprecher der Senatspressestelle. Im Laufe seines Lebens habe er viele bekannte Säle begutachtet und sich einen weithin anerkannten Ruf erworben. An der hochgelobten Akustik in der Glocke beispielsweise hatte Lüdeke einst großen Anteil. Nun wird er dafür sorgen, dass in Zukunft im Sitzungssaal des Rathauses alles gut klingt. Hier finden häufig Pressekonferenzen statt – und Medienvertreter mussten bisher an manchen Plätzen schon sehr die Ohren spitzen, um alles einwandfrei verstehen zu können. Das soll nun durch schalldämpfende Maßnahmen an Wänden und am Boden mühelos möglich sein.

Doch zuvor ist Hermann Lüdeke gefragt. Der erfahrene Fachmann schwört auf seinen betagten Koffer mit dem Magnetophon aus alten Zeiten. Warum er keine moderne Technik zur Schallmessung einsetzt? „Ich lasse auf dieses Gerät nichts kommen“, sagt er, „es übersteuert nicht und liefert mir ausgezeichnetes Material zur Begutachtung.“

Aus allen Ecken, selbst unterm Tisch lässt er seine Frau schießen, die ihm seit 30 Jahren bei seiner Arbeit behilflich ist. Bevor Hermann Lüdeke jeden Schuss auf das Tonband aufnimmt, kommentiert er dessen Standort.

Das alles ist nötig, um ein präzises Gutachten erstellen zu können. Wenn die Analyse des Akustikfachmanns vorliegt, werden die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt, so der Senatssprecher. Auch eine neue Mikrofonanlage sei vorgesehen.

Der Sitzungsraum soll demnächst als Presse- und Konferenzraum multimedial einsetzbar sein.