Bremen - Die Beschäftigten im Land Bremen stehen unter Stress, haben zunehmend mit Zeitdruck sowie einer Verdichtung der Aufgaben zu kämpfen und gehen häufig krank zur Arbeit. Zugleich identifizieren sie sich mit ihrem Job. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, für die das Institut Infas im Auftrag der Arbeitnehmerkammer im Frühjahr dieses Jahres rund 2 000 Beschäftige interviewte.

30 Minuten dauert jede Befragung im Schritt. Interviewt wurden Bremer, Bremerhavener und Einpendler. Das gesammelte Material ist üppig. Daten, Zahlen und Tabellen füllen ein dickes Konvolut von Lexikongröße. Die Studie „Koordinaten der Arbeit“ sei zudem „ein Fingerzeig für die Politik, in welchen Feldern Engagement erwünscht ist“, sagt Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer. „Die Ergebnisse zeigen, dass es noch großen Handlungsbedarf gibt, speziell wenn es um die Arbeitsbedingungen geht“, fährt er fort. Ein Beispiel: Ein Drittel der Befragten geht davon aus, am Arbeitsplatz nicht bis zur Rente durchhalten zu können. Im Baugewerbe und im Gastgewerbe ist es sogar jeweils mehr als die Hälfte. „Das sind alarmierende Zahlen“, sagt Schierenbeck. Die Studie zeigt, dass sich 85 Prozent aller Arbeitnehmer im Land Bremen mit ihrem Job stark identifizieren. „Das ist ein erstaunlich hoher Wert“, sagt Schierenbeck. Drei Viertel sind den Angaben zufolge davon überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlich relevanten Beitrag leisten. Zwischen der gesellschaftlichen Relevanz und der empfundenen gesellschaftlichen Anerkennung klafft allerdings eine Lücke – vor allem bei Gesundheits- und sozialen Dienstleistungsberufen. Überaus positiv wird die Kollegalität in bremischen Betrieben beurteilt – fast 93 Prozent der Befragten berichten von einer zumindest „häufig guten Arbeitsatmosphäre“.

Auch zum Thema Arbeitszeit liefert die Studie reichhaltige Daten. Ein Ergebnis: Vertragliche und tatsächliche Arbeitszeit klaffen bei mehr als der Hälfte der Befragten auseinander – durchschnittlich wird drei Stunden pro Woche länger gearbeitet als vereinbart. Besonders häufig fallen Überstunden im Bereich Verkehr und Logistik, in den Krankenhäusern und im Hotel- und Gaststättengewerbe an. 18  Prozent der Beschäftigten würden gerne einen Arbeitsvertrag mit mehr Stunden abschließen – vor allem Frauen in Teilzeitbeschäftigung. „In manchen Branchen gelingt es kaum noch, eine existenzsichernde Stundenzahl zu erreichen. Hier hat Teilzeit nichts mit Familienfreundlichkeit zu tun“, sagt Elke Heyduck, Geschäftsführerin der Arbeitnehmerkammer.

Als „alarmierend“ bezeichnet Regine Geraedts, Referentin für Arbeitsmarktpolitik, Befunde zum Präsentismus, dem Phänomen, krank zur Arbeit zu gehen. Drei von vier Arbeitnehmern waren davon betroffen. Im Schnitt waren sie elf Tage im Einsatz, obwohl sie sich krank fühlten. Geraedts sieht die Arbeitgeber in der Pflicht, für ihre Mitarbeiter zu sorgen.