BREMEN - Dengfeng – das kennt hierzulande niemand. Doch was in Asien erfunden wurde, sorgt auch hier für volle Sport- und Volkshochschulen. Kung Fu, Qi Gong, Tai Chi, Zen-Meditation: All das haben der Überlieferung nach Buddhisten-Mönche des Klosters von Dengfeng ersonnen.
Nimmt man ihre Geschichte, addiert rund 1400 Jahre Weltgeschichte und gibt man schließlich noch eine große Schaufel Kommerz und eine gute Kappe Weichspüler darauf, dann ergibt das die Show „Die Rückkehr der Shaolin-Mönche“, die am Sonnabendabend im Musicaltheater zu sehen war.
Ein gutes Dutzend Artisten, einige Statisten und ein redseliger Sprecher aus dem Hintergrund erzählten die Geschichte der Mönche sportlich und verbal nach – allerdings mit sehr viel mehr Höhepunkten, als es das mönchische Leben anno dazumal mutmaßlich bot.
Der Erzählung nach entstand Kung Fu im Shaolin-Orden, damit die Angehörigen sich selbst verteidigen konnten, ohne andere zu töten – das war ihnen per Gelübde verboten. Sie entwickelten eine neue Art der Körperbeherrschung, der Kraftkonzentration und der Beweglichkeit. Genau das, und eigentlich nur das, stand im Mittelpunkt einer atemberaubenden Show.
Etliche der Nummern des zweistündigen Abends kannte man schon. Die spektakulärsten Aktionen sind immer wieder in Fernsehshows zu sehen. Etwa, wenn sich die Mönche mit großer Kraft Dachlatten über dem Schädel zerschlagen, wenn sie Nadeln mit bloßen Händen durch dicke Glasscheiben schießen oder wenn sie zu zweit übereinander liegen, darunter drei Messerklingen, dazwischen ein Nagelbrett, obendrauf eine Betonplatte, die dann auch noch mit dem Vorschlaghammer zertrümmert wird.
Auch wenn diese Hau-Ruck-Akrobatik für stetes Raunen sorgte, so waren es doch ganz andere Vorführungen, die das Publikum staunen ließen – wie die Sportler meterhohe Luftsprünge mit unglaublicher Leichtigkeit vollbrachten, wie sie sich quasi „mit links“ streckten und dehnten, dass daneben jeder Ballerina-Spagat aussieht wie Elefantenballett. Einfachste Utensilien sorgten für unvergessliche Bilder. Mit flirrenden Bändern oder martialisch flatternde Fahnen stampften die Männer lautstark im Neunerpack über die Bühne, ohne sich je ins Gehege zu kommen. Da konnte sich jedermann vorstellen, dass es die Gegner der Shaolin-Mönche seinerzeit nicht einfach hatten. Erst die Erfindung der Feuerwaffen hatte die Kloster-Kämpfer bezwingen können.
Erhalten geblieben ist die erstaunliche Kunst der Körper, die zwar auf der ganzen Welt ausgeübt wird, in einer so professionellen und mitreißenden Art wie bei der Shaolin-Show aber nur selten zu sehen ist. Auch wenn die grellen Show-Elemente, der wabernde Dauernebel und die manchmal etwas plumpe Dramaturgie hier und da störten, war das Publikum doch über die Maßen begeistert.
