BREMEN - Die Werkschau ist Rosengart zu seinem 70. Geburtstag gewidmet. Nicht nur in Bremen, auch in Afrika war er als Architekt aktiv.
Von Christian Jakob
BREMEN - Irgendwie versteht sich der Mann wohl als Rebell. Seine wichtigste Aufgabe, so schrieb er einmal, sei es zu verhindern, „dass die Architektur weiterhin der Inkompetenz ausgeliefert bleibt.“ In Bremen ist ihm für diesen Kreuzzug viel Raum überlassen worden.Horst Rosengart, Architekturgrande und Hochschul-Professor für Bauökologie, dürfte das Bremer Stadtbild in den vergangenen Jahrzehnten geprägt haben wie sonst nur wenige. Fallturm, Lloydpassage, Teerhof, Sielhof, Gröpelinger Bibliothek – die Liste der Rosengart-Bauten an der Weser ist lang. Zu seinem 70. Geburtstag widmet ihm das „Bremer Zentrum für Baukultur“ im Speicher XI nun eine Werkschau mit Bildern und Modellen ausgewählter Projekte.
Unter den Exponaten befinden sich der Entwurf einer geplanten Aussichtsplattform für den Bremer Fallturm ZARM, ein gläserner Außenfahrstuhl, der den Turm umgibt und an der Fassade auf- und abgleitet. Überraschend: Bilder eines Luxushotels nahe der togoischen Hauptstadt Lomé, das Rosengart während eines mehrjährigen Afrika-Aufenthalts in den 60er-Jahren entwarf. Das von Rosengart stets propagierte Regionalismus-Dogma, ein Bauwerk müsse „in angemessener Beziehung zu seiner Umgebung stehen“, dürfte hier ästhetisch mit einer gelungenen Neuinterpretation regionaler Stilelemente erfüllt sein. Inwieweit dies auch für die soziale Integration des Bauwerks in der bitterarmen Region gilt, ist zweifelhaft.
In einer raumgreifenden Laudatio wird die Hingabe Rosengarts an „das Gestalten“ gefeiert – ohne das ein substanzielles Anliegen präzisiert würde. Lediglich in einem Interview mit Rosengart selbst gewinnt dessen Architekturkonzept an Profil. Dort plädiert er für die Verteidigung der regionalen Unverwechselbarkeit gegen eine „tendenziell gleichförmiger werdende Welt“. In den „spätmodernen Neubaustadtteil“ Kattenturm, wo es „keinen einzigen Mauerziegel“ gegeben habe, baute Rosengart eine Kirche mit „defensivem, ländlichen Charakter“. Gedacht war dies, so sagt er, als Gegenpol zur „auch von den Bewohnern empfundenen Brutalität der Bebauung“ des Stadtteils. Die Schau ist bis
zum 3. Oktober im Roten Salon zu sehen.
