Bremen - „Als Erwachsener spielt man viel zu selten.“ Nichts beschreibt das Credo der künstlerischen Arbeit von Theresia Gerding besser. Die 70-Jährige hat einen grundsätzlichen Anspruch an ihre Arbeit: „Das Leben der Menschen leichter zu machen. Spielerischer eben.“ Auch ihr neuestes Werk zeugt davon.

Die Rauminstallation „Spielraum“ soll als Baukasten im Raum dienen und im weitesten Sinne Spielzeug für Erwachsene sein. Dafür hat die Künstlerin ihr gesamtes Lager durchforstet, um alte und neue Stücke wiederzuentdecken, zu vollenden oder neu miteinander zu kombinieren.

Während des Schaffensprozess war die einzige Arbeitsregel, eine Beziehung zwischen alten und neuen Arbeiten, in Form und Farbe, entstehen zu lassen. Das Ergebnis: Eine bunte Mixtur verschiedenster Kunstwerke.

Die Holzskulpturen, Textilpuppen und Scherenschnitte aus Papier haben dabei alle eins gemeinsam: Sie dokumentierten den künstlerischen Werdegang der Bremer Künstlerin seit 1996.

Tatsächlich ist Gerding bereits seit 1987 freischaffende Künstlerin. Davor war die Diplompädagogin lange Zeit als Deutsch- und Kunstlehrerin sowie Museumspädagogin in der Bremer Kunsthalle tätig. Selbstverständlich unterscheidet sich ihr Alltag als freie Künstlerin von dem als Lehrerin. „Vormittags mache ich Besorgungen und Erledigungen. Nachmittags arbeite ich regelmäßig in meinem Atelier, in der übrigen Zeit sammle und sichte ich Material.“ Als Inspiration dienen ihr Flohmärkte, Ausstellungen und auch das Sammeln von altem Spielzeug. „Auf dem Weg zum Atelier mit dem Fahrrad begegnen mir oft skurrile Dinge in Containern oder Kisten am Straßenrand“, sagt sie.

Natürlich muss jeder Künstler Geld verdienen. Ein Konflikt, zwischen eigenem künstlerischen Gewissen und der Notwendigkeit überleben zu können. „Ich finde es aber besser, wenn man nicht ausschließlich auf den Verkauf von Kunst angewiesen ist, sondern ein zweites finanzielles Standbein besitzt. Der Gedanke, dass ich jederzeit wieder Kunst unterrichten könnte, hat mich in den vergangen Jahren immer beruhigt“, gibt die Künstlerin zu.

Trotz des Verkaufs sollte Kunst kein Luxus sein. „Ohne Kunst wäre das Leben öde. Kunst ist für mich integraler Bestandteil des Alltags: Ich wache morgens auf und Sonnenlicht fällt auf einen Blumenstrauß oder ein Bild herab. Das ist Poesie für mich. Mein Lebenselixier – ich liebe das.“

Außerdem habe Kunst auch einen kulturgeschichtlichen Auftrag. Daher wundert es nicht, dass gerade Hannah Höch (1889 bis 1978) eines ihrer Vorbilder geworden ist. Höch musste während der NS-Zeit Repressalien ertragen. Bereits vor der Machtübernahme war sie überzeugte Frauenrechtlerin und Künstlerin gewesen und zur Zielscheibe des nationalsozialistischen Regimes geworden.

„Ich würde gerne für eine Behörde einen Spiel-Raum entwerfen, wo sich gestresste Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten in der Woche spielend erholen können.“ Die Künstlerin bleibt ihrem Credo treu.