BREMEN - „Ein Tischler ist der Pathologe des Waldes.“ Der Satz, den Dr. Uta Bernsmeier vom Focke-Museum am Donnerstag zitierte, gab eine Inspiration zur Inszenierung der neuen Ausstellung des Hauses. Sie wird an diesem Abend eröffnet.
Um 18.30 Uhr erhält Peter Heidhoff, freischaffender Designer und Möbelbauer aus Bremen, den renommierten Auguste-Papendieck-Preis. Danach können seine Werke in einer Einzelausstellung im Focke-Museum besichtigt werden.
Funktional
Die mit 6000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre für „vorbildliche und innovative Arbeiten auf dem Gebiet der zeitgenössischen angewandten Künste“ ausgeschrieben. Heidhoff gewann mit zwei Kommoden, die von außen wie Holzstapel aussehen, dabei aber ein raffiniertes Innenleben haben.
Viele Arbeiten des Tischlermeisters Heidhoff, der 1961 in Bremen geboren wurde, verbinden ein schlicht wirkendes, zurückgenommenes Äußeres mit einem funktionalen Inneren. Ein großer Bohlentisch – Eiche massiv und furniert, damit es keine Risse gibt – lässt sich aufziehen, wodurch Fächer zum Vorschein kommen. Auch Holzquader für die Wand lassen sich durch eine Druckbewegung öffnen und überraschen so mit einem Ablagefach. Bernsmeier und Heidhoff haben der Ausstellung den Titel „das einfache leben“ gegeben – klein geschrieben, weil der Titel sowohl „Das einfache Leben“ wie auch „Das Einfache leben“ anklingen lassen soll. „Die einfachen Dinge des Lebens sind ausreichend“, sagt Heidhoff. „Wir werden vollgedröhnt mit Dingen, die für unser Leben nicht notwendig sind.“ Die Konzentration aufs Wesentliche findet sich auch in einem Verkaufsschlager Heidhoffs, einem – 2009 mit dem Bochumer Designpreis ausgezeichneten – Nistkasten. Gut 180 davon sind in der Ausstellung zu sehen. Sie betonen das Wald-Motiv der Inszenierung. Dazu werden Vogelstimmen eingespielt. Die Reduzierung auf einfache Dinge wird hier durchaus mit Witz vorgeführt.
Schau geht bis 5. Juni
Apropos Einfachheit: Heidhoff baut auch große, mehr als zwei Meter hohe Schränke. Zusammengehalten werden sie von vier Schraubelementen. So sind sie höchst einfach auseinanderzubauen, zu transportieren, aufzubauen. „Wenn Ikea das machen würde, wären die pleite. Es würde nie was kaputtgehen.“
Die Heidhoff-Schau dauert bis zum 5. Juni. Erstmals übrigens wird eine Papendieck-Ausstellung um Arbeiten weiterer Bewerber um den Preis ergänzt. So sind beispielsweise Stücke der Keramikern Sabine Kratzer aus Scholen zu sehen, die für den Preis nominiert war. Auch Disziplinen wie Textilkunst, Schmuckgestaltung und Steinbildhauerei sind ebenfalls vertreten.
